Was macht eigentlich…

Bruce Dickinson, Sänger und Unternehmer

Grosse Stimme, zweifelhafter Modegeschmack: Mit Iron Maiden hat Bruce Dickinson rund 100 Mio. Tonträger verkauft.

Üblicherweise füllt er ganze Stadien. Letzte Woche musste sich Bruce Dickinson mit dem Volkshaus zufrieden geben. Freilich gastierte der 60-jährige Brite nicht in seiner traditionellen Rolle als Sänger der Heavy-Metal-Institution Iron Maiden in Zürich, sondern lud zur Lesung seiner Autobiografie «What Does This Button Do?».

Längst könnte Dickinson die Beine hochlagern und das wohlverdiente Rentnerdasein geniessen. Mehr als 100 Mio. verkaufte Tonträger in der über vierzigjährigen Bandgeschichte haben Iron Maiden – und damit auch Dickinson als zentrales Element im Bandsound – einen Platz im Musikolymp gesichert.

Von Altersmüdigkeit war beim Auftritt in Zürich allerdings nichts zu sehen – wobei Dickinson zugute kommt, dass er sich in seiner Laufbahn nie auf die Musik beschränkt hat. Als leidenschaftlicher Fechter trat er bei internationalen Turnieren an, moderierte Radiosendungen, schrieb Bücher und hielt Motivationsreden. Von der Bierproduktlinie Trooper, die er in ­Kooperation mit der britischen Brauerei Robinsons entwarf, wurden über die letzten Jahre über 20 Mio. Pints verkauft.

Einen besonderen Stellenwert geniessen bei Dickinson jedoch Flugzeuge. In den Neunzigern – der Sänger stieg temporär bei Iron Maiden aus, um seine Solokarriere voranzutreiben – lernte er fliegen. Zuerst auf kleinen Propellermaschinen, dann auf immer grösseren Brummern. ­Einige Jahre später pilotierte er für die Charter-Fluggesellschaft Astraeus bereits Boeing 757 und transportiert seither auf Tourneen die eigene Band um den Globus – standesgemäss in einer Boeing 747.

So erfolgreich Dickinson in den meisten seiner Betätigungsfelder auch sein mag: Ein begnadeter Unternehmer scheint an ihm nicht verloren gegangen zu sein. 2012 rief er Cardiff Aviation in einem stillgelegten Hangar der Royal Air Force ins Leben, unweit des Flughafens der gleichnamigen walisischen Hauptstadt. Dickinson schwebte vor, seine Gesellschaft als Anbieter sogenannter Wet Leases zu etablieren – die Vermietung von Flugzeugen, einschliesslich Personal, Wartung und Versicherung. Finanziell unterstützt wurde er dabei von der walisischen Regierung, wenn auch unter der Vorgabe, in den ersten achtzehn Monaten rund tausend Jobs in der Region zu schaffen.

Cardiff Aviation hat sich über die letzten Jahre nun aber nicht so erfolgreich entwickelt wie erhofft. Verträge mit Fluggesellschaften wie Easyjet wurden aufgekündigt, Stellen mussten abgebaut werden. Von den angepeilten tausend Arbeitsplätzen ist das Unternehmen immer noch weit entfernt. Zeitweise konnten nicht einmal die Löhne bezahlt werden. Dickinson musste die Saläre aus der eigenen Tasche begleichen – wobei ihm das keine Probleme bereitet haben dürfte, wird sein Vermögen doch auf 100 Mio. $ geschätzt.

Immerhin scheinen die gröbsten Probleme nun überwunden zu sein: 2018 wurde Cardiff Aviation mit einem fünfjährigen Auftrag betraut, für TUI Airways UK Flugzeuge zu prüfen – und gegebenenfalls zu reparieren –, die die Chartergesellschaft über die Wintermonate anderen Airlines weitervermietet hat. Dennoch ist Dickinsons Unternehmen angeblich weiterhin auf der Suche nach externen Kapitalgebern, um endlich so richtig abheben zu können.

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