Was macht eigentlich…

Bruno Stanek, Weltraumexperte

Bruno Stanek vor dem Nachbau der Mondfähre im Technorama Winterthur anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der Mondlandung.

Dieser Tage ist Bruno Stanek als Gesprächspartner gefragter als sonst. So sehr, dass der 76-Jährige den Ansturm bremsen muss. Vor zehn Jahren, beim 40-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung von Apollo 11, habe er sich «noch mehr gratis zerschlissen» als heute, schreibt Stanek auf Anfrage. Dieses Jahr, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der ersten menschlichen Schritte auf dem Erdtrabanten, will er etwas mehr auf sich achten. «Eine Siebentagewoche ist schliesslich ungesund.»

Dennoch ist der St. Galler bis heute betriebsam geblieben und kommt um ein strammes Arbeitspensum manchmal nicht herum. «Wie bei Elon Musk», schreibt Stanek. Gemäss einer Auswertung des US-Magazins «Quartz» soll Musk rund zwölf Stunden am Tag arbeiten und sechs Stunden schlafen. Das lässt immerhin sechs Stunden für andere Aktivitäten. Während Musk mit seinem Unternehmen SpaceX und dem Ziel eines privaten Mondflugs Aufmerksamkeit erregt, erlangte Stanek 1969 schweizweite Bekanntheit, als er die erste Mondlandung für das Schweizer Fernsehen kommentierte.

Stanek überzeugte als gerade 26-Jähriger mit Expertenwissen und Eloquenz. Seitdem ist er der Mann fürs All. Nach zahlreichen TV-Auftritten bei den folgenden Raumfahrtereignissen erhielt der promovierte ETH-Mathematiker und leidenschaftliche Schriftsteller seine eigene Sendereihe namens «Neues aus dem Weltraum». Ein Comeback erlebte er, als 1992 und 1996 Claude Nicollier als erster Schweizer drei Mal ins All flog. Danach wirkte er bei der Gestaltung des Raumfahrt-Pavillons in Erich von Dänikens Mystery Park (heute JungfrauPark) mit.

Noch heute ist Stanek ein gesuchter Referent – auch wenn gerade kein Jubiläum ansteht. Auf seiner Homepage Stanek.ch sind neben seinen zahlreichen Büchern, Dokumentationen und Blogbeiträgen die kommenden Termine seiner Vorträge aufgeführt. Deren Titel meist: «Aktuelles zur Raumfahrt». «Das Thema erfreut sich dank neuen Entwicklungen grosser Aktualität, fast wie zur Zeit der Apollo-Flüge», schreibt Stanek. Darum beginnt er nach eigener Aussage nur noch vor Senioren mit der Vergangenheit.

Alles vor Apollo biete heute sowieso kaum mehr grossen Erkenntnisgewinn. «Neil Armstrong selbst hat sich über Rückblicke schon bald gelangweilt», schreibt Stanek auf Anfrage. Er hat sich mit dem ersten Mann auf dem Mond 1972 in Luzern unterhalten und war damals erstaunt über die Aussage, die Armstrong nur drei Jahre nach seinem legendären «kleinen Schritt» gemacht hatte. Später konnte Stanek es Armstrong nachempfinden.

Vor zehn Jahren wähnte er eine Gezeitenwende: «Ich habe 2009 beim vierzigsten Jahrestag dann definitiv gemerkt, dass der Staatsbetrieb Nasa von SpaceX überholt wird.» So legt Stanek den Schwerpunkt seiner Vorträge heute klar auf die «faszinierende Gegenwart und Zukunft», womit vor allem private Mond- und Marsprogramme gemeint sind, die praktisch täglich aktualisiert würden.

Staneks Meinung nach gehört die Zukunft ganz klar der privaten Raumfahrt. Die Menschheit werde mit Sicherheit zum Mond zurückkehren, ist der Experte überzeugt. «Aber nicht mit Steuergeldern und zigmal zu teuer, sondern ehrlich selbst verdient von einer tüchtigen Privatfirma wie SpaceX.»

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