Was macht eigentlich…

David Cameron, ehemaliger britischer Premierminister

Privatier David Cameron hat nun reichlich Zeit für den Besuch von Fussballspielen. Er gilt als Anhänger von Aston Villa.

Am 31. Oktober sollte das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausscheiden – ob überhaupt und wie: Man weiss es nicht. Kurz vorher, am 19. September, werden die Memoiren von David Cameron erscheinen, des Premierministers, der sich zur Durchführung des folgenschweren Brexit-Referendums hatte drängen lassen. Der Titel lautet «For the Record» (Fürs Protokoll). Die Verlagsrechte lässt sich Cameron mit umgerechnet rund einer Million Franken honorieren – für einen 52-Jährigen ohne weitere Karriereaussichten zwar hilfreich, doch geht es ihm ohnehin ganz ordentlich; Cameron wie auch seine Frau Samantha stammen aus wohlhabenden Familien.

Ursprünglich hätte das Buch schon vergangenes Jahr herauskommen sollen, doch Cameron wollte nicht in den Verdacht geraten, als Politfrührentner noch ins Tagesgeschehen eingreifen zu wollen. Überhaupt hält er sich seit seinem Auszug aus 10 Downing Street bedeckt; Cameron hatte am 24. Juni 2016 seinen Rücktritt angekündigt, einen Tag nach der Niederlage im Referendum; er gab auch seinen Sitz im Unterhaus auf, den er mit 35 Jahren geholt hatte. Zuvor hatte er erklärt, das Resultat des Referendums umsetzen zu wollen, egal ob «remain» oder «leave».

In den Geschichtsbüchern wird der Name Cameron mit dieser fatalen Abstimmung – in einem Land ohne plebiszitäre Tradition – verbunden bleiben; der Rest seines Leistungsausweises dürfte eine Randnotiz bleiben.

Vielleicht kam Cameron das endlose Gezerre um den Brexit auch zupass; britische Medien mutmassten, er hätte zeitweilig an Schreibstau gelitten und einen Schäferwagen gekauft, um dort die richtigen Worte zu finden. Es wird auch gemunkelt, Cameron langweile sich und träume gar von einem Wiedereinstieg in die Politik, als Aussenminister. Das hat’s schon mal gegeben: Alec Douglas-Home war in den 1960ern Premier (auch keiner von Weltformat) und leitete in den 1970ern das Foreign Office. Doch Cameron verantwortet mit dem Brexit-Referendum sozusagen «verbrannte Erde»; das macht ihn für nationale und auch internationale Ämter von Rang untauglich. Der Ex-Premier, der nie wirklich das Image des Eton-Schülers loswurde, dem die Alltagshärten des Durchschnittsbriten unvertraut sind, hat einen Vertrag mit einer Redneragentur, wie das bei «elder statesmen» so der Fall ist, doch die grossen Gagen beziehen Gestalten, die mehr zu sagen haben.

So muss er sich mit ein paar Ehrenämtern begnügen, oder mit mässig beachteten Auftritten wie 2018 am Weltwirtschaftsforum in Davos. Zudem mischt Cameron in einem UK-China Investment Fund mit, der eine Milliarde Pfund sammeln soll – bislang erfolgsarm, wie die Tageszeitung «The Guardian» berichtet.

Ob wenigstens Camerons Lebensbeichte ein Verkaufshit wird? Überraschende Lesefrüchte sind nicht zu erwarten, abgesehen davon, dass Autobiografien im Allgemeinen und diejenigen von Politikern im Besonderen Geschichtsklitterung in eigener Sache sind. Im Januar, nachdem seine unglückliche Nachfolgerin Theresa May mit ihrem Brexit-Abkommen im Parlament erstmals aufgelaufen war, stellte sich Cameron öffentlich hinter sie und erklärte, er bereue es nicht, das Referendum veranlasst zu haben – what else.

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