Was macht eigentlich…

Dominique Strauss-Kahn, Ex-Direktor des IWF

Die Affäre DSK löste 2011 keine Debatte aus wie später #MeToo. Der ehemalige IWF-Chef konzentriert heute seine Aktivitäten vor allem auf Afrika.

Von einer Suite im Luxushotel direkt in eine Gefängniszelle. Zehn Jahre ist es im Mai her, seit Dominique Strauss-Kahn, damals Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und aussichtsreicher Kandidat der Sozialisten für die französischen Präsidentschaftswahlen 2012, in Handschellen in New York abgeführt worden ist. Alles unter Blitzlichtgewitter und vor den TV-Kameras der medialen Weltöffentlichkeit.

Der Vorwurf gegen den heute einundsiebzigjährigen DSK, wie Strauss-Kahn meist genannt wird, waren massiv: Er soll Nafissatou Diallo, ein Zimmermädchen im Hotel Sofitel, vergewaltigt haben. Von der Spitze des IWF trat DSK wenige Tage später zurück, seine Ambitionen auf das Präsidentenamt in Frankreich musste er ebenfalls begraben, auch wenn die Anschuldigungen wenige Monate später in sich zusammenfielen.

Aus heutiger Sicht hinterlässt das Vorgehen Fragen. Die Affäre DSK löste keine Debatte aus, wie später #MeToo und die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Im Gegenteil, wie eine aktuelle Netflix-Doku aufzeigt, reagierten seine Weggefährten damals schulterzuckend, seine frühere Sekretärin entschuldigt ihn gar damit, er sei halt ein Franzose. Manche witterten dahinter gar ein Komplott seines politischen Widersachers Nicolas Sarkozy. Es blieb jedoch nicht bei Diallo. Weitere Frauen brachten ähnliche Anschuldigungen gegen DSK vor. 2015 musste er sich wegen schwerer Zuhälterei in Frankreich vor Gericht verantworten. Der Prozess endete mit einem Freispruch.

Aus der Politik ist DSK heute ausgeschieden. Seit 2017 ist er zum mittlerweile vierten Mal verheiratet. Als Berater ist er heute vor allem in Afrika aktiv, wo er sicher auch auf sein Beziehungsnetz aus IWF-Zeiten zurückgreifen kann. Dazu kommen noch diverse Verwaltungsratsmandate, etwa beim russischen Staatsfonds für Direktinvestitionen.

Bei der Auswahl seiner Klienten zeigt sich DSK aber ziemlich frei von moralischen Skrupeln. So berät er etwa laut der NZZ die Präsidenten von Togo und der Republik Kongo, die beide als korrupte Auto­kraten gelten.

Mit seinen Investitionen agierte er nicht immer glücklich. Im vom Bürgerkrieg zerrissenen Südsudan etwa hat er sich erfolglos am Aufbau einer Bank beteiligt. Die Offshoregeschäfte eines Investmentfonds, an dem DSK beteiligt war, tauchten 2016 in den «Panama Papers» auf. Finanziell hat sich der ehemalige IWF-Chef aber längst von seinem Absturz erholt. Seine in Marokko angesiedelte Beratungsfirma hat laut dem französischen Magazin L’Obs zwischen 2013 und 2018 rund 21 Mio. € verdient.

Mit Auftritten in Europa oder den USA hält er sich zurück. Im vergangenen Sommer plädierte er in einer argentinischen Zeitung angesichts der Covid-19-Pandemie für einen Schuldennachlass der Schwellenländer, einen starken Staat und einen Sozialismus, der an Tony Blair und Gerhard Schröder erinnert. Die Ereignisse von New York kamen nicht zur Sprache.

Auch nach der Veröffentlichung der Netflix-Doku blieb er stumm. Kurz vor Weihnachten kündigte er allerdings auf Twitter an, dass er in einem eigenen Dokumentarfilm zum ersten Mal seine Sicht der Dinge und sein Leben darlegen will. Die Veröffentlichung ist für nächsten Herbst geplant. Rechtzeitig zum Start des Wahlkampfs für die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

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