Was macht eigentlich…

Donald Trump, ehemaliger US-Präsident

2020 gingen Trump-Anhänger auf die Strasse. Der Ex-Präsident verbreitet bis heute die Lüge der gestohlenen Wahl.

Eine Flasche Bourbon und ein Kleiderständer – das war alles, was der arbeitslose Kammerjäger Dustin Thomas davontrug, nachdem er mit Hunderten Gleichgesinnten am 6. Januar 2021 das US-Parlament in Washington gestürmt hatte. Der bewaffnete Mob wollte die Abgeordneten hindern, die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zu beglaubigen. Zuvor hatte dessen Vorgänger, Donald Trump, die Menge angestachelt.

Als Thomas Mitte April für seine Taten verurteilt wurde, liess sich sein Plädoyer auf einen Satz herunterbrechen: Trump hat es mir befohlen. Der Angesprochene doppelte in einem Interview nach: «Ich wäre sofort mitmarschiert», sagte Trump, «doch der Geheimdienst hat gesagt, ich könnte nicht gehen.»

Zurzeit laufen die parteiinternen Vorwahlen für die Parlamentswahl im November. Trumps Partei, die Republikaner, haben gute Chancen, dann die Mehrheit zu erobern. Und obgleich der Ex-Präsident auf keinem Wahlzettel steht, findet er doch Erwähnung in Hunderten Wahl­werbespots.

Fast alle republikanischen Aspiranten suchen seinen Segen, indem sie sich weit rechts positionieren und seine Lüge der gestohlenen Wahl nachplappern. Daran, ob sich seine Kandidaten durchsetzen, wird sich zeigen, wie viel Macht Trump noch über die Partei hat.

Diese Woche begann gut für ihn. Autor JD Vance setzte sich im Bundesstaat Ohio durch und wird im November zur Senatswahl antreten. Vance, der durch seine ­Biografie «Hillbilly Elegy» Berühmtheit ­erlangt hat, steht für die Wählerschaft, die Trump ins Weisse Haus trug.

Es ist dies die abgehängte, weisse Arbeiterschaft, die in der Zuwanderung eine Bedrohung der prekären Lebensumstände sieht und denen die Globalisierung nicht mehr Wohlstand gebracht, sondern die Fabrikjobs weggenommen hat. Laut Vance herrsche ein «Kampf um die Seele» der Partei, die sich das Land notfalls mit Gewalt zurückholen muss – so wie am 6. Januar.

Die Rolle Trumps an diesem Tag wird bis heute durch eine Parlamentskommission untersucht. Im Juni dürfte sie eine Anklage Trumps fordern, wegen Verschwörung zum Volksbetrug und Behinderung des Kongresses. Dann wäre es am Justizdepartement, Anklage zu erheben. In Georgia droht Trump ein Prozess, weil er die dortige Regierung nach der Wahl 2020 aufgefordert hatte, ihm zusätzliche Stimmen zu «finden».

Schliesslich blüht ihm in New York ein Gerichtsverfahren wegen Bilanzfälschung und Betrug. Laut Staatsanwaltschaft habe Trump seine Vermögenswerte überbewertet, um Kredite und Versicherungen zu erhalten, und unterbewertet, um Steuern zu sparen.

Dass Trump 2024 noch einmal die Präsidentschaft suchen könnte, bekommt so einen anderen Dreh: Sie würde ihm Immunität vor Strafverfolgung verschaffen. Bis dahin scheint sein Ziel: Eine republikanische Mehrheitsfraktion im Kongress, die ihn im Fall einer weiteren Niederlage schlicht zum Präsidenten ernennt.

Ob der 75-Jährige in zwei Jahren an­treten wird oder kann, bleibt abzuwarten. Der Politikstil und die Inhalte, die er seiner Partei injiziert hat, dürften angesichts des aktuellen Kandidatenfelds aber nicht so schnell verschwinden. Mit Trump sei es wie mit Elvis Presley, sagte jüngst ­Senator Roger Marshall aus Kansas. Der King des Rock ‘n’ Roll mag schon lange tot sein. «Aber seine Musik spielen die Leute heute noch.»

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