Was macht eigentlich…

Elisabeth Kopp, erste Bundesrätin

Elisabeth Kopp leistet am 2. Oktober 1984 als erste Bundesrätin den Amtseid im Nationalratssaal in Bern. Das Kleid, das sie damals trägt, ist heute Teil der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich.

Die letzten Ausläufer einer Bronchitis plagen Elisabeth Kopp dieser Tage. Doch die erste Bundesrätin der Schweiz nimmt sich trotzdem Zeit, empfängt in ihrer grossen Wohnung in Zumikon. «Das erste Mal in meinem Leben werde ich nicht mehr von Terminen erdrückt», sagt die 82-Jährige. «Es ist ein neues Stück Lebensqualität.» Zeit für Bergwanderungen und Spaziergänge, die Tochter, die drei Enkeltöchter und einen Urenkel muss sie sich heute nicht mehr vom Munde absparen. «Das ist das beste Anti-Aging-Programm.»

Doch einfache Pensionärin ist Kopp deshalb nicht. Sie hält Vorträge, nimmt an Diskussionsrunden teil, schreibt Gastbeiträge und besucht regelmässig Altersresidenzen. In den vergangen Tagen häufen sich die Anfragen. Rund um die Wahl der achten und der neunten Bundesrätin am Mittwoch ist Kopp gesucht. «Das absolute Minimum sind ab jetzt drei Frauen in der Landesregierung», sagt sie.

1984 ist die FDP-Politikerin die erste und einzige Bundesrätin. Kurz nach ihrer Wahl kommt eine AHV-Revision auf die Agenda. Kopp macht sich für die Anerkennung von Erziehungsjahren stark, was vor allem Frauen zugutekommt. Doch sie stösst bei ihren männlichen Kollegen auf Granit. Das Parlament schickt die Vorlage deswegen schliesslich an den Bundesrat zurück. Zu Kopps grössten Leistungen als Bundesrätin gehört die Einführung eines neuen Eherechts. «Das alte hat die Frau praktisch entmündigt.» Die SVP warnt vor dem «Richter im Ehebett». Das Volk nimmt die Vorlage an, und Kopp beruhigt die Gegner an einer Pressekonferenz mit der Spitze: «Wenn Christoph Blocher im Ehebett neben sich greift, liegt dort immer noch seine Silvia und kein Richter.»

Doch die Ära Kopp währt nicht lange. Während sie an einer Vorlage gegen Geldwäscherei arbeitet, erfährt sie von einer Mitarbeiterin, dass eine Gesellschaft, in der ihr Mann, Hans W. Kopp, Verwaltungsrat ist, unter Geldwäschereiverdacht steht. Kopp ruft ihren Mann an, fordert ihn zum Rücktritt auf. Der Anruf und der Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung werden ihr zum Verhängnis. Unter massivem öffentlichem Druck tritt Kopp 1989 zurück. Sie spricht von der Zerstörung der eigenen Person, trägt sich mit Selbstmordgedanken. Hängen bleibt am Ende nichts, Kopp gilt heute längst als rehabilitiert.

Fast dreissig Jahre ist Kopps Rücktritt her, und Frauen sind in der Politik weiter untervertreten. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei immer noch schwer, dann noch Politik zu machen, sei fast unmöglich, meint Kopp. «Die Hauptlast der Erziehung liegt heute immer noch bei der Frau – und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern.»

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