Was macht eigentlich…

Elizabeth Holmes, ehemalige Chefin von Theranos

Elizabeth Holmes, hier mit ihren Verteidigern, drohen bei einem Schuldspruch bis zu zwanzig Jahre Gefängnis.

Das Versprechen war einfach zu schön, um wahr zu sein: Bereits ein Pieks in den Finger und wenige Tropfen Blut sollten genügen, um mit Edison, dem Analysegerät des US-Unternehmens Theranos, Antikörper, Viren, Hormone oder Drogen zu messen. Dank dem «iPod des Gesundheitswesens», so der von Theranos öfters bemühte Vergleich, würden aufwendige und kostspielige Labortests sowie unangenehme Blutentnahmen überflüssig.

Die Überzeugungskraft des Managements war so gross, dass sich zahlreiche Investoren an der vermeintlichen Erfolgsgeschichte beteiligen wollten: Über 700 Mio. $ kamen von professionellen und privaten Anlegern zusammen, und zum Höhepunkt 2013/14 wurde das Silicon-Valley-Unternehmen mit beinahe 10 Mrd. $ bewertet. Zusätzlichen Schub erhielt die Glaubwürdigkeit durch prominente Persönlichkeiten – wie etwa den ehemaligen US-Aussenminister Henry Kissinger, der im Verwaltungsrat Einsitz nahm.

Da gab es bloss ein Problem: Das Analysegerät hat nie funktioniert – und diese Täuschung wurde ab 2015 immer offensichtlicher. Die Demaskierung war primär einem Journalisten des «Wall Street Journal» zu verdanken, der immer mehr Details der Betrugsgeschichte zum Vorschein brachte. Etwa dass Edison äusserst rudimentär aufgebaut war und praktisch nur aus einem Roboterarm und einer Pipette bestand. Oder dass das Unternehmen bestehende Systeme anderer Hersteller verwendete, um überhaupt zu Test­resultaten zu gelangen. Und mittendrin: Elizabeth Holmes, die Theranos 2003 im Alter von neunzehn Jahren gegründet hatte und dank ihrer 50%-Beteiligung zwischenzeitlich zu einer der jüngsten Selfmade-Milliardärinnen der Welt aufstieg.

Jetzt steht Holmes in Kalifornien vor Gericht, angeklagt wegen Betruges an Investoren und Kunden. Kommt es zu einer Verurteilung, drohen ihr bis zu zwanzig Jahre Gefängnis. Obwohl der eigentliche Prozess wegen der Coronapandemie nun erst im Juli beginnen soll, ist der Kampf zwischen der Anklage und der Verteidigung bereits voll entbrannt. In den vergangenen Tagen drehte sich der Disput vor allem um Privates. So fordern die Ankläger des Northern District of California, dass im Prozess persönliche Details zum Lebenswandel von Holmes offengelegt werden: Informationen zu den häufigen Reisen in Privatjets etwa, den diversen Übernachtungen in Luxushotels oder den zahlreichen Assistenten, die von ihrer Chefin regelmässig auf Shoppingtouren geschickt wurden. Denn – so die Argumentation der Anklage – der Wunsch, den luxuriösen Lebensstil beibehalten zu können, habe Holmes massgeblich dazu angetrieben, den Betrug weiterzuführen.

Die Verteidigung von Holmes setzt hingegen alles daran, solche persönlichen ­Informationen aus dem Prozess herauszuhalten. Zum einen habe Holmes einen Lohn und Zusatzleistungen genossen, die ihrer Position als Chefin eines Silicon-Valley-Unternehmens durchaus angemessen gewesen seien. Zum anderen seien solche Informationen sowieso irrelevant und würden lediglich dazu gebraucht, Vorurteile zu schüren und die Geschworenen gegen die Angeklagte aufzubringen.

Wie auch immer die privaten Details im Prozess schliesslich gehandhabt werden: Ihrer Strafe wird Holmes kaum ent­gehen können.

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