Was macht eigentlich…

Florian Homm, ehemaliger Hedge-Fund-Manager

Florian Homm, wie man ihn kannte: 2004 an der Generalversammlung von Borussia Dortmund. Homm wurde damals Grossaktionär des klammen Fussballklubs.

Florian Homm gibt sich geläutert. Der einst berühmteste deutsche Hedge-Fund-Manager hat zum Glauben gefunden. Mit seinem Verein Olmoms verbreitet er «die Botschaft der Barmherzigkeit der Jesusmutter». Vor seiner YouTube-Gemeinde – auf der Videoplattform folgt ihm eine ­Viertelmillion Zuschauer – predigt der 61-Jährige: «Ich will keine merkantilistische Heuschrecke, kein unerträgliches Arschloch mehr sein.» Mit der eignen Webseite sei er nicht mehr für den «Geldadel» da, sondern für den «privaten Investor». Diesem verkauft er einen Börsenbrief und eine Investment-Grundausbildung.

Doch die Sünden der Vergangenheit lassen Homm nicht los. Seit letzter Woche steht er in Bellinzona vor dem Bundesstrafgericht, angeklagt wegen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäscherei. Vielleicht lässt er die Kontaktaufnahme des Autors deshalb unbeantwortet.

Mitte der Nullerjahre steht Homm im Zenit, er wird als einer der erfolgreichsten Investoren Europas gefeiert. Auch Schweizer Banken wie UBS, Lombard Odier oder Reichmuth lassen Kundengelder von Homm verwalten, den seine Fangemeinde als Finanzgenie feiert. Der Gepriesene setzt sich gern in Szene mit dicker Zigarre vor seiner Villa. Doch hinter der schillernden Fassade soll sich ein schmutziges Geheimnis verbergen. Gemäss den Vorwürfen verschiedener Behörden soll Homm praktisch wertlose Penny Stocks gekauft, zu überhöhten Fabelpreisen zwischen ­seinen Fonds hin und her geschoben und so die Kurse künstlich in die Höhe getrieben haben. US-Ermittler nannten diese Masche 2013 «Portfolio Pumping». Auf dem Höhepunkt verwaltet Homm rund 3 Mrd. € und gehört zu den 300 reichsten Personen Deutschlands.

Dann kommt der tiefe Fall. 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise, zieht Homm sein Geld plötzlich aus den Fonds ab, die daraufhin zusammenbrechen. Er taucht ab. Sechs Jahre ist er mit gefälschten Pässen auf der Flucht. Die US-Börsenaufsicht SEC brummt ihm eine Strafe von 56 Mio. $ auf, von der sie bis heute keinen Cent gesehen hat. Auch das FBI bekommt ihn nicht in die Finger, in den USA drohen ihm die Behörden bis heute mit über 200 Jahren Haft. 2012 taucht Homm wieder in Deutschland auf, sein Vermögen habe er auf der Flucht durchgebracht. Er ver­öffentlicht seine Biografie, tingelt durch Talkshows und gibt den Geläuterten. Sein Heimatland verlässt er heute nicht mehr; Deutschland liefert seine Bürger nur in andere EU-Länder aus.

Deshalb, so wird vermutet, reist er ­dieser Tage auch nicht an den Prozess in Bellinzona, wo er und drei seiner Mitstreiter aus der Schweizer Finanzbranche angeklagt sind. Offiziell wurde er wegen der Coronapandemie freigestellt. In Abwesenheit wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, seine Kunden um rund 170 Mio. Fr. betrogen zu haben. Die Behörde kann ihn hierzulande vor Gericht stellen, weil ­Marketing und Kundenwerbung für den fraglichen US-Fonds über die Schweiz liefen und Homm den Betrugsgewinn über Schweizer Konten gewaschen haben soll.

Bis einschliesslich kommender Woche verhandelt das Bundesstrafgericht nun den Fall. Danach kann das Urteil weitergezogen werden bis letztlich vors Bundesgericht. Ob der geläuterte Homm dafür dann nach Ende der Pandemie in die Schweiz reist, bleibt abzuwarten.

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