Was macht eigentlich…

Franz Steinegger, ehemaliger FDP-Präsident

Franz Steinegger als Schlichter zwischen SBB-Leitung und Gewerkschaftern im Mai 2008 im Verkehrshaus Luzern.

Wir treffen Franz Steinegger wochentags in seiner Anwaltskanzlei im Urner Hauptort Altdorf. «Ich halte Stallwacht», sagt der 75-Jährige. Heute ist es seine Frau Ruth Wipfli Steinegger – mit ihr führt er die Kanzlei –, die von beiden mehr unterwegs ist. Steinegger waltet noch als Notar und betreut ein paar wenige kompliziertere Fälle. Zudem ist er als Einzelschiedsrichter oder Präsident von Schiedsgerichten in Baufragen und bei der Anwendung von Gesamtarbeitsverträgen tätig.

Bis Ende des Jahres präsidiert er darüber hinaus noch die Informationsplattform rund um das SBB-Industriewerk in Bellinzona (Officine). Steinegger war zuvor Schlichter, nachdem die SBB das Werk hatten schliessen wollen und die Arbeiter daraufhin in Streik traten. Nach langen Verhandlungen wird das Werk nun auf der grünen Wiese neu aufgebaut, und der ehemalige Standort in der Stadt wird zum Immobilienentwicklungsprojekt.

Seine Verwaltungsratsmandate bei Rega, NZZ, Suva oder Dätwyler legte Steinegger nach Erreichen der Alterslimite nieder. Heute präsidiert er noch das Verkehrshaus in Luzern sowie eine Zürcher Immobilienanlagestiftung und eine Gesellschaft, die Steuer- und Rechtsberatung sowie Vermögensverwaltung bietet, Baryon. Hier ist auch Petra Gössi Partnerin, eine Nachfolgerin Steineggers an der Spitze der FDP. Von 1989 bis 2001 präsidierte Steinegger die Partei, von 1980 bis 2003 sass er für sie im Nationalrat. Unter die Parteiarbeit hat Steinegger einen Schlussstrich gezogen. «Als Ex-Präsident wollte ich nirgendwo als Klugscheisser auftreten.»

Unter seiner Präsidentschaft wollte Steinegger die Partei in Distanz zu links wie rechts positionieren. Allerdings verlor die FDP ab 1995 Wählerstimmen, stabilisierte sich erst nach den letzten Nationalratswahlen 2015. Es sei vor allem die Europafrage gewesen, die in den Neunzigerjahren das Parteiengefüge ins Rutschen gebracht habe. Bis heute sei sie nicht gelöst. Die SVP habe da einen dankbaren Teufel, den sie an die Wand malen könne. «Dabei müssen wir uns mit der EU arrangieren.»

Der EWR-Betritt wäre dafür eine Möglichkeit gewesen. Die knappe Ablehnung 1992 durch das Volk bezeichnet Steinegger heute als eine seiner grössten Niederlagen. Eine zweite erlitt er danach innerparteilich, als kurz nach der Abstimmung eine Parteiversammlung unter chaotischen Umständen gegen die Parteispitze als politisches Ziel den EU-Beitritt beschloss. «Damals hätte ich eigentlich zurücktreten müssen», sagt Steinegger. Erst 2010 revidierte die Partei ihre Haltung.

Parteipräsident ist einer der schlimmsten Jobs, die es gibt, hat Steinegger mal gesagt. 365 Tage im Jahr sei man an allem schuld, unterbezahlt, mit nur wenigen Mitarbeitern. Doch Steinegger brannte stets für den Job, wollte aber mehr. Noch heute gilt er als der wohl beliebteste Bundesrat, den es nie gab. «Bundesratswahlen sind immer Konstellationsfragen», sagt Steinegger, zwei Mal sprachen die Konstellationen gegen ihn. Einmal bei der Nachfolge von Elisabeth Kopp: Kaspar Villiger machte parteiintern das Rennen, wegen einer grösseren Hausmacht. Als Villiger abtrat, verlor Steinegger wegen einer Stimme fraktionsintern gegen Hans-Rudolf Merz. Zwei Parlamentarier, die ihn unterstützt hätten, konnten nicht an der Abstimmung teilnehmen.

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