Was macht eigentlich…

… Gerhard Schröder, Altkanzler

Von soviel Elan wie unter Gerhard Schröder kann die SPD heute nur noch träumen.

Nach Gerhard Schröder muss man nicht lange suchen. Der Bundeskanzler a. D. ist ein vielbeschäftigter Mann. Der 76-Jährige, der zwischen 1998 und 2005 die erste rot-grüne Koalition in Deutschland geführt hat, ist heute Lobbyist, amtet als Aufsichtsrat beim russischen Energiekonzern Rosneft und der Norseepipeline Nord Stream und modelt koreanische Trachtenmode für seine fünfte Ehefrau.

 Dazu kommt noch ein eigener Podcast, den er seit Ende Mai produziert. Unter dem wohl nicht ganz zufällig gewählten Titel «Gerhard Schröder – Die Agenda», der an sein umstrittenes Reformprogramm «Agenda 2010» gemahnt, lässt er sich von seinem ehemaligen Regierungssprecher Béla Anda interviewen. Zur Sprache kommen seine Kindheit in armen Verhältnissen, seine Liebe zum Fussball (als Mittelstürmer trug er den Spitznamen Acker), die Freundschaft mit dem russischen Präsidenten Wladmir Putin und die Zukunft der deutschen Autoindustrie.  

Wenig verwunderlich, dass der Altkanzler gemäss einer aktuellen Umfrage im Business-Netzwerk LinkedIn mittlerweile über die grösste Reichweite der deutschen Politik verfügt, egal ob aktiv oder abgewählt. Wie gross die Freude über Schröders nach wie vor grosse Popularität unter seinen ehemaligen Parteigenossen ist, ist allerdings fraglich. Schröders Erfolg sitzt ihnen im Nacken: Vor seiner ersten Wahl zum Bundeskanzler 1998 holte die SPD  knapp 41% der Stimmen. Heute sind die Sozialdemokraten nur noch ein Schatten ihrer selbst. In Umfragen liegt die Partei aktuell noch bei 14%. Schröder, ein studierter Jurist, gehört zu den talentiertesten Wahlkämpfern der deutschen Politik, was massgeblich zu seinem Erfolg beigetragen hat. Schröder schaue nicht in die Kamera, sondern spreche jeden Einzelnen von ihnen persönlich an, erinnern sich teilnehmende Journalisten heute an den wahlkämpfenden Altkanzler. Wie zentral persönlicher Kontakt für ihn ist, kommt auch in seinem Podcast zur Sprache. Schröder zeigt sich überzeugt, dass Videokonferenzen persönliche Gespräche zwischen Spitzenpolitikern nicht ersetzen. Er müsse seinem Gegenüber in die Augen schauen und das Vertrauen spüren.

Mit dem Instinkt- und Machtpolitiker Schröder hatte die Partei aber nicht nur Freude. Zu wirtschaftsnah schien der Kanzler, er galt als der «Genosse der Bosse» und schlachtete reihenweise heilige Kühe der SPD-Politik. Ganz besonders, als er mit dem neoliberalen Reformprogramm «Agenda 2010» die Sozialleistungen kürzte und das Arbeitslosengeld Hartz IV einführte. 2005 scheiterte er mit seinem Coup, nachdem er vorgezogene Neuwahlen durchgesetzt hatte. Rot-Grün verlor die Wahl, Schröder musste Merkel weichen. 

Mit seiner Partei geht der Bundeskanzler a. D. auch heute noch hart ins Gericht. Die SPD verfüge über zu wenig ökonomischen Sachverstand, sagte er jüngst im Podcast des Journalisten Gabor Steingart. CDU und die Grünen würden wahrscheinlich die nächste Bundesregierung stellen. Ähnlich unbeugsam gibt sich Schröder auch, wenn er nach seiner Freundschaft mit Putin und seinen Engagements für russische Konzerne befragt wird. Immer wieder würden ihm seine Gesprächspartner solche Stöckchen hin­halten. Er sei aber schon damals nicht ­darüber gesprungen und werde das heute schon gar nicht tun.

, Closing Bell / Was macht