Was macht eigentlich…

Jeffrey Skilling, ehemaliger Enron-CEO

Beim Prozess 2006 wurde der ehemalige Enron-CEO Jeffrey Skilling schuldig gesprochen und zu 24 Jahren Haft verurteilt.

Ein einziges kleines Wort, eine vulgäre Beschimpfung mit A – und der Schaden war angerichtet. Bis zu diesem Moment im April 2001 hatte Jeffrey Skilling, Chef des US-Energiekonzerns Enron, kritische Fragen zum Geschäftsmodell seines Unternehmens jeweils humorvoll und besonnen pariert. Dass er nun einen Analysten im Conference Call gut hörbar mit «Asshole» abkanzelte, machte allen klar: Die Nerven in der Führungsetage liegen blank.

Tatsächlich dauerte es nur wenige ­Monate, bis das Kartenhaus kollabierte. Bereits im Oktober bestätigte das Un­ternehmen, dass die US-Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung eingeleitet habe. Über mehrere Jahre hinweg hatte Enron die Geschäftsergebnisse beschönigt. Prompt wurde die Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft, während die letzte mögliche Rettungsmassnahme – die Übernahme durch den Konkurrenten Dynergy – am Veto der Käufer scheiterte. Anfang Dezember blieb Enron nichts anderes übrig, als Insolvenz anzumelden. Die Ersparnisse und die Renten der Mitarbeiter im Wert von rund 2 Mrd. $ lösten sich in Luft auf.

Skilling nahm im Aufstieg und im jähen Fall von Enron eine zentrale Rolle ein. Noch als McKinsey-Berater hatte er Enron 1987 geholfen, einen Terminmarkt für Erdgas aufzubauen. Er beeindruckte CEO Kenneth Lay dabei so sehr, dass dieser ihn drei Jahre später zum Unternehmen holte. 1997 stieg Skilling zum Chief Operating Officer auf und festigte damit seine Stellung als Nummer zwei hinter Lay.

Bei vielen galt jedoch nicht Lay, sondern Skilling als derjenige, der aus dem altbackenen Pipelinebetreiber Enron ein komplexes Imperium aus Energiehandel, Finanzprodukten und elektronischen Tradingplattformen formte – wie sich später herausstellte, auch mithilfe unlauterer Verbuchungspraktiken. Angetrieben durch den extrem erfolgsorientierten Geschäftsethos Skillings schien der Konzern ganz grundsätzlich keine Skrupel zu kennen: In Kalifornien etwa verursachten Mitarbeiter des Unternehmens  künstliche Engpässe in der Stromversorgung, ­indem Kraftwerkbesitzer überredet wurden, die Produktion für einige Zeit ein­zustellen. Der Bundesstaat wurde praktisch lahmgelegt, während die Strompreise nach oben schossen und die Kassen bei Enron klingeln liessen.

2006 wurde Skilling in diversen Anklagepunkten wie Verschwörung, Insiderhandel, Falschaussagen gegenüber Buchprüfern und Betrug schuldig gesprochen und zu vierundzwanzig Jahren Haft verurteilt. Die gesamte Strafe musste er allerdings nicht absitzen: Bereits 2018 wurde er in den offenen Vollzug verlegt und im Februar 2019 vorzeitig entlassen.

Wieder in Freiheit, scheint Skilling erneut im Energiegeschäft Fuss fassen zu wollen. Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters ist der inzwischen 66-Jährige daran, bei Investoren Kapital zu sammeln, um damit einen digitalen Marktplatz aufbauen zu können. Laut Insiderquellen bestehe das Geschäftsmodell darin, Beteiligungen an Öl- und Gasquellen zu vermitteln und damit verbundene Analysedaten anzubieten. Skilling beschäftigt sich gemäss Reuters bereits seit zwei Jahren mit dem Projekt, das von seiner Ehefrau Ende 2018 in Texas aufgegleist wurde. Ob er ­allerdings jemals das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen kann, muss sich zuerst noch weisen.

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