Was macht eigentlich…

Jost Stollmann, Unternehmer

Jost Stollmann hinter dem Wahlsieger Gerhard Schröder: Nach dem Scheitern der politischen Karriere ging es nach Australien.

Er ist der beste Wirtschaftsminister, den Deutschland nie hatte – Jost Stollmann. Sein Amtsantritt war für 1998 geplant, Rot-Grün unter Gerhard Schröder versprach Aufbruch. Nach achtzehn Jahren wurde die müde schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl abgewählt.

Als Kontrapunkt zum linken Finanzminister Oskar Lafontaine wurde der Softwareunternehmer Stollmann ins Schattenkabinett berufen. Der damals 43-Jährige, langjähriges CDU-Mitglied, wollte Deutschland als Wirtschafts- und Wissenschaftsminister unter Schröder umkrempeln: «Aufbruch ist keine Frage langer ideologischer Debatten, sondern eine der schnellen Umsetzung», erklärte er vor der Wahl in einem Interview.

Doch dazu kam es nicht. Stollmann sprang ab – Lafontaine hatte sich auf seine Kosten viele wichtige Kompetenzbereiche gesichert, etwa in der Europapolitik. An seiner Stelle bekam der – im Juli 2019 verstorbene – Industriemanager Werner Müller das Amt. Statt Stollmann, von den Medien als «Multimedia-Millionär» tituliert, sollte ein Vertreter der Ruhrindustrie die deutsche Wirtschaft zukunftsfit machen.

Stollmann gründete 1984 die CompuNet als Computerhandelsunternehmen und baute sie zum grossen IT-Dienstleister aus. Mit dem Verkauf an General Electric 1996 hat er wohl eine dreistellige Millionensumme kassiert. Danach fiel er Schröder auf, als er in einer Talkshow mit Vehemenz eine neue, auf Innovation fokussierte Standortpolitik forderte. Der Sozialdemokrat sah die Chance,  ein modernes, wirtschaftsfreundliches Gesicht ins Wahlkampfteam zu holen.

Nach dem gescheiterten Versuch, in die grosse Politik einzusteigen, ging Stollmann 2002 mit seiner aus Griechenland stammenden Frau Fiona und den fünf Kindern auf eine Weltumsegelung. Nach zwei Jahren auf hoher See legte er in Sydney einen Neustart hin: Er übernahm 2004 die Führung beim jungen Fintech Tyro, Spezialist für Zahlungsabwicklungen. Ein Zeitungsporträt zitiert einen Bekannten, wie Stollmann in neuer Umgebung beeindruckend schnell Kontakte knüpfte – kaum «Down Under» angekommen, begrüsste er regionale Politfürsten und den Zentralbankchef zu Dinnerpartys.

Heute hat der Zahlungsabwickler Tyro mehr als 370 Mitarbeiter und über 20 000 Kunden. Unter Stollmann wurde eine Banklizenz ergattert. Mehr als 40 Mrd. austr. $ werden jährlich an Kartenzahlungen abgewickelt. Der Umsatz liegt bei 150 Mio. austr. $ (100 Mio. Fr.). Das Unternehmen strebt einen baldigen Börsengang an, gemäss Berichten wird eine Bewertung von 2 Mrd. austr. $ ins Auge gefasst.

Stollmann hält noch 9% der Anteile. Doch er wird den Börsengang nicht begleiten. Schon Mitte 2017 ist er in den Verwaltungsrat gewechselt, im Oktober 2017 dann auch dort ausgeschieden. Seitdem ist der jetzt 64-Jährige gerne wieder am Segeln. Per E-Mail sendet er Grüsse aus Antiparos: «Ich segele zurzeit in den griechischen Kykladen. Es ist wundervoll.»

Er verbringe seine Zeit in Sydney, Deutschland und Griechenland. Nun stehe seine zweite Weltumsegelung an – «diesmal über die südliche Route um die drei Kaps». Bald ist es so weit, schreibt er: «Der Bau einer neuen Segeljacht ist weit fortgeschritten, ich drücke die Schulbank  in professioneller Schiffsführung und Navigation und fange bald mit der Routenplanung an.»

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