Was macht eigentlich…

Karl-Theodor von und zu Guttenberg, Ex-Minister

Der fesche zu Guttenberg galt sogar als Kanzlerhoffnung der CDU/CSU. Die Zeiten sind längst vorbei.

Ehemalige Politiker haben oft Mühe, die Politik hinter sich zu lassen, auch Jahre nach ihrem Rückzug. So Karl-Theodor zu Guttenberg: ehemaliger Minister, politisches Wunderkind, Kanzlerhoffnung der CDU/CSU und Liebling der Boulevardpresse. Er musste im März 2011 von seinen Ämtern zurücktreten, weil öffentlich wurde, dass er in seiner Dissertation Passagen abgeschrieben hatte. Unter Druck verzichtete er auf seinen Doktortitel. Eine grosse Peinlichkeit, besonders in der statusgeilen Politikerkaste des Nachbarlands, wo Plagiatsvorwürfe jüngst wieder für Schlagzeilen sorgten.

Die amtierende Familienministerin, Franziska Giffey, soll wie von Guttenberg und andere vor ihr, in ihrer Diss geschummelt haben. Von Guttenberg, der «Lügenbaron», hatte gehofft, die Affäre nach bald zehn Jahren hinter sich lassen zu können. Zumal er in einem Akt der Läuterung 2018 an der britischen Universität Southampton eine neue Doktorarbeit eingereicht hatte. Nicht wie einst in Rechtswissenschaften, sondern in Wirtschaftsgeschichte zum spröden Thema Korrespondenzbanken. 2011 hatte ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt.

Die akademische Würde zumindest wollte er zurück. «Promoviert habe ich nicht für die Öffentlichkeit und erst recht nicht für ein politisches Comeback, das ich gewiss nicht mehr anstrebe, sondern allein aus sehr persönlichen Gründen», sagte er. Dabei braucht der adlige Spross kein Comeback, weil er schon wieder mittendrin ist im politischen Geschehen. Dieses Mal nicht vor, sondern hinter den Kulissen.

2013 gründete von Guttenberg eine Firma namens Spitzberg Partners. Die in New York ansässige Beratungsfirma betreut nach eigenen Angaben Kunden in den USA, Kanada, in der EU, Israel und Lateinamerika. Zudem investiere man in Start-ups. Vieles dreht sich bei Spitzberg Partners um den prominenten «Chairman» von und zu Guttenberg.

Dank weitem Kontaktnetz aus seiner Regierungszeit – 2009 war er Wirtschafts-, von 2009 bis 2011 Verteidigungsminister – ist er für Lobbying bei Weggefährten prädestiniert. Beim Lobbyieren kann man sich jedoch schnell die Finger verbrennen: Ein Kunde war der Dax-Konzern Wirecard, der nach einem Betrug in die Pleite rutschte.

Gemäss einer Recherche des «Spiegel» hatte Spitzberg Partners Wirecard beim Einstieg in ein chinesisches Unternehmen 2019 begleitet. Zu Guttenberg weibelte bei der Bundesregierung über den geplanten Markteintritt und habe «die Möglichkeiten wohlwollender Begleitung im bilateralen Verhältnis mit China eruiert». Offenbar «erfolgreich»: ein Staatssekretär soll sich mit einem chinesischen Gegenüber über Wirecards Absichten ausgetauscht haben.

Zu Guttenberg, der als Freiherr zehn Vornamen trägt, mischt auch für eine andere Firma in Berlin mit. Augustus Intelligence, ein IT-Start-up, und Spitzberg Partners haben beide im 77. Stock des One World Trade Center ihre Büros. Zu Guttenberg stieg 2019 beim Stocknachbarn als Aktionär ein und wurde Präsident.

Augustus geriet im Sommer in die News, weil sie den CDU-Politiker Philipp Amthor für Lobbyarbeit eingespannt hatte. Von einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier, von Aktienoptionen und Luxusreisen für Amthor ist die Rede. Zu Guttenberg ist also wieder tief drin in den Niederungen der Politik, auch wenn er nun im höchsten Glasturm von Manhattan sitzt.

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Leser-Kommentare

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Stefan Nirschl 11.12.2020 - 19:02
„Im statusgeilen Nachbarland“, eine bemerkenswerte Aussage über mein Land. Immer wieder stelle ich eine gewisse Arroganz einzelner Schweizer, hier stellvertretend die FUW, gegenüber Deutschland fest. Als ob die Eidgenossen bessere Menschen wären. Zumindest werden die Kompetenz und das Können vieler Deutscher doch in Hinblick auf den eigenen Arbeitsmarkt in der Schweiz gerne willkommen geheißen, um den eigenen Wohlstand zu sichern.… Weiterlesen »
Stefan Nirschl 12.12.2020 - 10:21

Deutschland als „statusgeiles Nachbarland“ zu bezeichnen, finde ich bemerkenswert. Als ob die Eidgenossen bessere Menschen wären. Übrigens fände ich es als FUW-Kunde angemessen, wenn mein Kommentar auch veröffentlich wird. Sonst sollte ich mein Abonnement überdenken.