Was macht eigentlich…

Kim Dotcom, Ex-Internetmogul

In diesem ­Anwesen nahe Auckland wohnt Kim Dotcom schon lange nicht mehr. Sein Vermögen wurde einkassiert.

Kim Schmitz wartet. «Ich frage mich, warum mein Urteil vom Obersten Gerichtshof Neuseelands zur Auslieferung noch nicht veröffentlicht wurde», twitterte er am vergangenen Dienstag. Es handele sich um einen politischen Fall, und deshalb müsse das Urteil wohl bis nach den neuseeländischen Wahlen warten. Die Parlamentswahlen gehen heute zu Ende.

Seit 2012 kämpft der in Neuseeland ­lebende ehemalige Internetmogul, besser bekannt als Kim Dotcom, gegen seine Auslieferung in die USA. Dort ermittelt das FBI wegen der Verletzung des amerikanischen Urheberrechts. Er soll mit seinem Portal Megaupload einen Schaden von 500 Mio. $ angerichtet haben. Eine sehr lange Haftstrafe droht.

2005 hatte der über zwei Meter grosse und 140 kg schwere Schmitz diese Plattform entwickelt, weil er selbst produzierte Filme über sein ausschweifendes Leben wegen der Dateigrösse nicht via ­E-Mail verteilen konnte.

Megaupload war zunächst ein Verlustgeschäft, da kaum jemand das Potenzial des Filesharing erkannte. Doch 2007 begannen Internetnutzer, illegal Musik und Filmdateien zu verbreiten. Schmitz bot auf seiner Plattform Diskretion und zog die Raubkopierer mit seinem kosten­losen Angebot magisch an. Werbeplatz und Abonnements für schnelle Up- und Downloads machten ihn reich.

Kim Schmitz wird 1974 in Kiel geboren und wächst in schwierigen Familienverhältnissen auf. Mit dreizehn lernt er zu programmieren und verkauft illegal ­kopierte Spiele, später auch gestohlene Da­ten. Mit zwanzig nennt er sich Kimble, 2000 dreht er seinen ersten Film: «Kimble in Monaco». Damit erschafft er eine Legende mit schönen Frauen, schnellen Autos, Megajachten, berühmten Freunden.

Wegen eines Insiderhandels landet Schmitz 2001 im Gefängnis und wird nach sechs Monaten Untersuchungshaft zu einer geringen Geldstrafe und zu zwanzig Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er geht nach Hongkong, wo es seinerzeit diskret zuging. Weitere Filme mit absurden Szenen voller Bombast entstehen, und die Idee für Megaupload wird geboren. 2010 zieht es ihn nach Neuseeland, und er nennt sich fortan nur noch Kim Dotcom.

Die Film- und Musikindustrie hat in der Zwischenzeit der Onlinepiraterie den Krieg erklärt, und Megaupload wird zum Feind Nummer eins. Das FBI schaltet sich ein und spannt mit Neuseeland ­zusammen. Im Januar 2012 stürmen 76 Beamte Dotcoms Anwesen, beschlagnahmen Autos und Konten mit geschätzten 175 Mio. $. Megaupload wird abgeschaltet. Die USA beantragen Auslieferung, und Kim Dotcom muss ins Gefängnis.

Einige Wochen später kommt er frei. Es bestehe keine Fluchtgefahr, da sein ­gesamtes Vermögen beschlagnahmt worden sei und ihn seine Familie mit fünf ­Kindern in Neuseeland halte. Für seinen Lebensunterhalt werden ihm monatlich 37 000 € aus seinem Vermögen zu­gesprochen. Zudem bekommt Dotcom einen Mercedes zurück.

Seitdem kämpft Kim Dotcom durch alle Instanzen gegen seine Auslieferung. Er engagiert sich politisch und tritt als ­Verteidiger des freien Internets auf. Er konferiert mit Julian Assange und Edward Snowden und gründet 2014 in Neuseeland die Internet Party, die allerdings keinen Erfolg hat. Das letzte Wort hat nun das Oberste Gericht.

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