Was macht eigentlich…

Mark Thatcher, Unternehmer

Mark Thatcher liebt schnelle Autos und hat ein Talent ­dafür, Länder zu verlassen, bevor es für ihn rechtlich brenzlig wird.

Im Jahr 1982 schaute die Weltöffentlichkeit gespannt in die Saharawüste – dort fehlte von Mark Thatcher jegliche Spur. Der Sohn der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher war auf der legendären Rennstrecke von Paris nach Dakar verloren gegangen. Erst am sechsten Tag der Suchaktion wurde eines der fünf eingesetzten Militärflugzeuge fündig. Weitab von der designierten Rennstrecke wurden der damals 28-Jährige, seine französische Copilotin, der Mechaniker und ihr Peugeot 504 gerettet. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass Thatcher für Schlagzeilen sorgte – zum Missfallen seiner Mutter.

Der junge Thatcher hat Rechnungs­wesen studiert, bestand die Buchhalterprüfung aber auch beim dritten Versuch nicht. Also zog er nach Hongkong und pflegte Geschäftsbeziehungen in den Motorsport und in den Nahen Osten. Letztere wurden ihm, beziehungsweise seiner Mutter, im Jahr 1984 zum Verhängnis. Sie musste sich den Fragen des Parlaments stellen, das einen Interessenkonflikt zwischen ihrer Politik im Oman und den ­dortigen Geschäftsaktivitäten ihres Sohnes witterte.

Ein Jahr später kam es noch dicker: Mark soll bei einem Rüstungs­geschäft zwischen British Aerospace und Saudi-Arabien Kommissionen in Millionenhöhe eingestrichen haben. Der junge Thatcher stritt dies stets ab. Die Enthüllung des «Guardian», dass ihm ein Mittelsmann im saudi-britischen Deal ein Haus im Londoner Nobelviertel Belgravia spendierte, hat er allerdings nie dementiert.

Als ob der Waffenhandel nicht genug gewesen wäre, wurde Margaret kurz darauf erneut wegen ihres Sohnes vors Par­lament zitiert, dieses Mal wegen seiner Beziehungen zum Sultan von Brunei. Daraufhin legte man Mark nahe, er könne bei der Wiederwahl seiner Mutter 1987 am meisten helfen, indem er sein Heimatland verlasse.

Also zog er nach ­Texas, wo er bei seiner Arbeit für ein Autoauktionshaus Diane Burgdorf kennenlernte, mit der er später zwei Kinder haben sollte. Ein Whiskey- und Kleidergeschäft des Ehepaars lief gut, der Verkauf von Sicherheitsanlagen weniger. Nachdem US-Behörden angefangen hatten, wegen Steuerhinterziehung zu ermitteln, siedelte die Familie Thatcher-Burgdorf nach Südafrika um.

Auch dort blieb Marks Weste nicht unbefleckt: Einmal wurde ihm vorgeworfen, er habe mit Wucherkrediten Geschäfte gemacht, und ein anderes Mal, er habe bei der Vermittlung von Flugzeugtreibstoffen zu viel Kommission abgezogen. Brenzlig wurde es aber erst 2004, als er wegen seiner Rolle im gescheiterten Staatscoup von Äquatorialguinea verhaftet wurde. Er habe Geld und logistische Unterstützung geleistet. Im darauffolgenden Gerichtsfall räumte Thatcher seine Schuld nur teilweise ein. Südafrika verzichtete auf die Auslieferung nach Äquatorialguinea, verurteilte ihn aber zu vier Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3 Mio. Rand (damals knapp 0,5 Mio. Fr.).

Frisch geschieden, zog Thatcher 2005 nach Monaco, das ihm nach einem Jahr aber das Aufenthaltsrecht verwehrte und ihn zur Persona non grata erklärte. Die Schweiz wollte ihn ebenfalls nicht aufnehmen, und so wohnte Thatcher einige Jahre in Gibraltar, wo er seine zweite Frau, Sarah-Jane Russell, heiratete. Heute geniesst Thatcher die Früchte seiner umtriebigen Geschäftstätigkeit in einem anderen Steuerparadies: Barbados.

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