Was macht eigentlich…

Martin Blessing, ehemaliger CEO von Commerzbank und Chef von UBS Wealth Management

Martin Blessing nach der Präsentation seines letzten Jahresabschlusses als Chef der Commerzbank in Februar 2016.

Martin Blessing hat ein Faible für Krisenbanken. Zu diesem Schluss könnte man zumindest angesichts seines jüngsten Karriereschritts kommen: Der Spitzenbanker wurde im Frühling in den Verwaltungsrat der Danske Bank gewählt.

 Bei dieser kam 2017 einer der grössten Geldwäschereiskandale ans Licht, die Europa je gesehen hat. Der CEO musste gehen und steht im Fadenkreuz von Strafverfolgern, die Aufarbeitung dauert an. Schon vor Corona hatte sich der Aktienpreis mehr als halbiert.

Angesichts der Herausforderung, diese Misere hinter sich zu lassen, kann die Bank die Expertise Blessings gut brauchen. Als Chef der deutschen Commerzbank – sein bisher wichtigster Posten – arbeitete er sich über Jahre daran ab, den Ruf des Instituts wiederherzustellen. Kurz nach dem Antritt Blessings als CEO 2008 musste die Commerzbank vom Staat gerettet werden. In der Folge wurde er an der Aktionärsversammlung zum Teil derart hart angegangen, dass ihm tatsächlich Schweiss auf die Stirne trat.

Bei allen Anfeindungen – «Pfui-Banker», «Totengräber» – bewies der ambitionierte Hobby-Läufer Durchhaltewillen. Bei seinem Abgang 2016 bekam er von vielen Beobachtern immerhin genügende Noten, auch wenn die Commerzbank bis heute ein Sanierungsfall ist. Manfred Knof, der Blessings Nachfolger Martin Zielke im Januar ablösen wird, muss erneut die Kostenschere auspacken.

Immerhin, Blessings Ruf war intakt und ist es bis heute. Kaum ein Artikel über ihn lässt seine Umgänglichkeit und sein bescheidenes Auftreten aus – beides hat er unabhängig von einer Karriere im Turbomodus und prominenten Vorfahren bewahrt. Der Sohn eines Deutsche-Bank-Vorstands und Enkel eines Bundesbankpräsidenten wurde schon mit 31 Partner beim Beratungsunternehmen McKinsey. Seine Frau – früher Partnerin bei Goldman Sachs, heute hohe Investmentbankerin bei JPMorgan – lernte er an der Universität St. Gallen kennen.

Es war dann aber ein alter Bekannter aus Deutschland, den er in der Schweiz wieder traf. Blessing wechselte in die UBS-Geschäftsleitung, wo er Schweiz-Chef wurde. UBS-Präsident Axel Weber hatte als Bundesbankpräsident während der Finanz- und der Eurokrise regelmässig mit Commerzbankchef Blessing zu tun.

Diese Verbindung machte den Neuzugang sofort zum Favoriten für die CEO-Nachfolge. Der erneute Aufstieg Anfang 2018 zum Co-Chef der wichtigsten Division Wealth Management schien diese These noch zu bestätigen. Indes, auch bei der UBS gab es mehr Altlasten als Zukunftsvisionen. Blessing gelang es nicht, den Eindruck der Stagnation abzuschütteln, mit dem die UBS-Vermögensverwaltung angesichts hoher Kosten, teurer Rechtsfälle und tiefer Zinsen kämpft. Vor einem Jahr wurde er durch den damals 43-jährigen Iqbal Khan ersetzt, der damit seinen eigenen schnellen Aufstieg in der Finanzbranche vorerst krönte.

Derweil blieb es Blessing auch in der Schweiz verwehrt, den ganz grossen Erfolg zu feiern. Noch bleibt dem einstigen Senkrechtstarter aber genügend Zeit. Mit 57 Jahren ist er immer noch im richtigen Alter für Spitzenjobs in der Finanzbranche. Welcher es als nächstes wird, dürfte in Kürze bekannt werden.

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