Was macht eigentlich…

Monika Weber, Ex-LdU-Politikerin

Monika Weber genoss stets das Vertrauen der Zürcher. Sie wählen sie zuletzt sogar als Parteilose erneut in den Stadtrat.

Seit ihrem Rücktritt als Zürcher Stadträtin 2006 bezeichnet sich Monika Weber als pensioniert. Das heutige Pensum der 76-Jährigen reicht aber weiterhin für eine Werktätige. Weber zählt wohl zu den bestvernetzten Personen der Stadt. Regelmässig organisiert sie Treffen mit früheren Kollegen, Mitarbeitern, Stadt-, National- und ehemalige Bundesräten. Dazu zählen fast täglich Mittagessen mit verschiedensten Persönlichkeiten. Bis Ende Jahr ist sie ausgebucht. Der Journalist, der sie in ihrer gemütlichen Wohnung in Seebach besucht, bekommt den nächsten freien Termin – im Januar 2020.

Nachbarschaftliches Engagement ist ihr ein grosses Anliegen. Sie gibt Deutschkurse für Flüchtlinge, geht auf Spaziergänge mit der Seniorenorganisation Pro Senectute, macht Nordic-Walking-Ausflüge mit ehemaligen Kollegen des Migros-Genossenschafts-Bundes, wo sie bis 1998 als Direktorin für Wirtschaftspolitik und Konsumentenfragen tätig war. Fit hält sie sich mit Gymnastik und Tanz.

Regelmässig organisiert Weber zudem Gruppenausflüge nach Bern zur Parlamentssession. Die ehemalige Bundesparlamentarierin des Landesrings der Unabhängigen (LdU) spricht mit Begeisterung über das politische System der Schweiz und will diese Begeisterung weitergeben. «Demokratie kann man nur gern haben, wenn man etwas darüber weiss.» Dabei muss man sich bewusst sein, sagt Weber, dass Demokratie etwas Zerbrechliches ist, dass unser System am Ende immer des Kompromisses bedarf und dass dabei auch der Stärkere für den Schwächeren einstehen muss. «Freiheit bedeutet zugleich Verantwortung», sagt Weber.

Zwei Personen haben ihr diese Lehren mit auf den Weg gegeben, Gottlieb Duttweiler und Jeanne Hersch. Der sozial engagierte Migros- und LdU-Gründer und die erste Philosophieprofessorin der Schweiz. Ihr zu Ehren gründet Weber vor zehn Jahren die Jeanne Hersch Gesellschaft, deren Präsidentin sie bis heute ist. Regelmässig gibt sie Vorträge über Hersch und Duttweiler. Unter seinem Einfluss trat sie 1963 mit zwanzig Jahren dem sozialliberalen LdU bei. Bildung ist von Beginn Webers Fachbereich, als sie 1971 als eine der ersten Frauen, und als jüngste dazu, in den Zürcher Kantonsrat gewählt wird.

Im selben Jahr wird Webers Parteifreund Alfred Gilgen kantonaler Bildungsdirektor. «Ich habe viel von ihm gelernt, auch wenn er wohl nicht ein einziges meiner Postulate angenommen hat.» Von ihm weiss sie, man solle sich nie für etwas einsetzen, von dem man nicht zu 100% überzeugt ist. Überzeugen kann Weber die Zürcherinnen und Zürcher stets von sich und ihrer Politik. Sie wählen sie in Kantons- und Nationalrat und 1987 in den Ständerat. Bei dieser Wahl setzt sie sich gegen SVP-Schwergewicht Christoph Blocher durch.

Als Stadträtin reformiert sie ab 1998 in exekutiver Verantwortung die Zürcher Schulen und den Sport. Nicht ohne Stolz erwähnt sie, keine Abstimmung zu ihrer Politik verloren zu haben. Die Zürcher schenken ihr bis zuletzt das Vertrauen, wählen sie auch noch als Parteilose wieder, als sich der LdU vor zwanzig Jahren auflöst. Eine andere Partei macht ihr im Nachgang das Angebot, sie zu portieren. «Ich wollte aber unabhängig bleiben», sagt Weber und nimmt es zum Anlass, auf Ende der Legislatur zurückzutreten. Sie habe ihre Zeit in der Politik gehabt, langweilig ist ihr seither nicht geworden.

, Closing Bell / Was macht

Leser-Kommentare