Was macht eigentlich…

Monisha Kaltenborn, ehemalige Sauber-Teamchefin

Monisha Kaltenborn ist heute Geschäftsführerin von Formula V, einem Start-up, das auf Rennsimulation setzt.

Hightech-Simulator statt heulende Motoren und rauchende Reifen: Die ehemalige Teamchefin des Formel-1-Rennstalls Sauber, Monisha Kaltenborn, ist wieder im Rennsport aktiv. Diesmal jedoch in der Formula-V, einer Meisterschaft in Rennsimulatoren. Die Strecken sind die originalgetreuen aus der Formel 1. Um etwa im australischen Melbourne an den Start zu gehen, kann man sich die lange Flugreise sparen. Ein Trip nach Cham oder an den noblen Zürcher Stadtrand in Tiefenbrunnen reicht. Dort stehen die ersten zwei Racing Lounges mit den Simulatoren.

Das Lenkrad und die Pedalerie sind originalgetreu, nur etwas bedienerfreundlicher eingestellt. «Es soll ja schliesslich Spass machen», erklärt Kaltenborn. Sie ist seit Juli Geschäftsführerin des Start-up, das Bankensoftwareunternehmer Francisco Fernandez ins Leben gerufen hat. Der Avaloq-Gründer hat mit der virtuellen Meisterschaft Grosses vor. «Dieses Jahr ist aber noch ein Lehrjahr», sagt Kaltenborn.

Bald sollen neue Lounges nach dem Franchise-System eröffnet und neue Fahrer gefunden werden. Sie nehmen an einer Meisterschaft wie der Formel 1 teil. Der Sieger eines Rennens gewinnt 5000 Fr. Am Ende der Saison winken dem Gesamtleader weitere 30 000 Fr. «Wir sind kein Computerspiel und keine Konsole», sagt Kaltenborn. Das Erlebnis sei realitätsnah. Die Österreicherin, die seit 2000 in Küsnacht bei Zürich wohnt, streicht die Eigenleistungen des Start-up hervor. Als Basis dient zwar eine eingekaufte Software. «Darauf kommen aber unsere Entwicklungen», erklärt sie. Eine besondere Herausforderung sei die Übertragung der Bewegungen des Fahrers auf den Bildschirm – und zurück. «Wenn Sie über Streckenbegrenzungen fahren, rumpelt es.»

Die Software entwickelt das in Cham beheimatete Unternehmen selbst weiter, teilweise in der Schweiz, teilweise im italienischen Modena, wo auch die Hardware der Simulatoren gebaut wird. Investor Fernandez hat den dortigen Hersteller Evotec mehrheitlich übernommen. Angst, ein grosser Game-Hersteller könnte das Geschäft streitig machen, hat die 48-jährige Mutter zweier Kinder nicht. «Das belebt den Wettbewerb.» Umgekehrt gedenkt sie den Game-Herstellern mit einer «Light-Version» Konkurrenz zu machen.

Erfahrung mit dem Vorstoss in neue Geschäftsfelder hat sie bereits bei Sauber gesammelt. «Nach dem Ausstieg von BMW mussten wir auch aus der Not heraus Bereiche finden, um das grosse Know-how zu kommerzialisieren.» Sauber verfügte über einen Windkanal und ausgeklügelte Software und bot Dritten Aerodynamikstudien an. «Man muss sich weiterentwickeln im Leben», sagt Kaltenborn und bezieht das sowohl auf das Geschäft wie auf sich selbst. Ihren Wechsel vom Rennzirkus in die virtuelle Rennwelt sieht sie als Bereicherung und Chance.

Die Distanz zur Formel 1 habe ihr aber auch ein bisschen die Augen geöffnet. «Mit dem Format können Sie heute junge Leute nicht mehr begeistern», gibt sie zu bedenken. «Heute gibt es Rennen, bei denen Sie am Ende nicht wissen, wer gewonnen hat.» Es gebe immer zahlreichere Regeln und Finessen. Im Zeitalter der Nachhaltigkeit kommt dazu noch die gesellschaftliche Kritik. Auch die Sicherheit ist ein Thema. «All das ist dem durchschnittlichen Betrachter nur noch schwer vermittelbar.»

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