Was macht eigentlich…

Nick Leeson, Schurkentrader

Nick Leeson hat die Barings Bank im Alleingang zu Fall gebracht. 1999 wird er aus der Haft in Singapur entlassen.

«I’m sorry – es tut mir leid», kritzelt Nick Leeson noch hastig auf einen Zettel, bevor er sich auf die Flucht macht. Nach Zwischenstationen in Malaysia und Thailand wird der junge Trader der Barings Bank wenige Tage später, am 2. März 1995, am Flughafen von Frankfurt gefasst. Für das damals älteste Bankhaus Grossbritanniens kommt seine Verhaftung längst zu spät. Leeson hat sich an der Terminbörse von Singapur dermassen bös verspekuliert, dass er das altehrwürdige Finanzhaus mit mehr als dreihundertjähriger Tradition im Alleingang zu Fall bringt.

Der Eklat macht ihn zum prominentesten Schurkentrader in der modernen Finanzgeschichte. Nach annähernd sieben Jahren Gefängnis lebt Leeson heute in Irland, ist zum zweiten Mal verheiratet, hat eine Krebserkrankung besiegt und von 2005 bis 2011 sogar den irischen Fussballklub Galway United gemanagt. Sein Geld verdient er nun als Gastreferent an Konferenzen und Firmenanlässen. Er spricht vor allem über Risikomanagement und Unternehmensverantwortung – und, seiner prominenten Vorgeschichte entsprechend, was dabei alles falsch laufen kann. Zudem war er unlängst in der britischen Version der TV-Realityshow «Big Brother» zu sehen. Die Sendung hat er als viertletzter Kandidat verlassen.

«Es gab diverse Schurkenhändler vor und nach mir. Keiner hat aber so grosse Schlagzeilen gemacht wie ich», sagte er dem Finanzdienst Bloomberg diese Woche. Rund 2 Mrd. Fr. an Verlusten hatte er nach heutigen Verhältnissen angehäuft. Angefangen hat sein Verhängnis 1992, als er von Barings nach Singapur geschickt wurde, um mit Futures-Kontrakten zu handeln. Am Anfang lief alles rund. Leeson brachte der Handelsbank gleich im ersten Jahr 10% des Konzerngewinns ein, erhielt einen dicken Bonus. Mit der Zeit rutschte er aber immer tiefer in die roten Zahlen. Lange konnte er das vor seinen Chefs in London kaschieren. Doch dann flog er letztlich wegen eines Kurssturzes an der Börse von Tokio auf.

Seine Geschichte erzählt der 51-Jährige im Buch «Rogue Trader», das seine Anwaltskosten finanziert hat. Später wurde es mit Ewan McGregor in der Hauptrolle verfilmt. Kapital schlägt er auch aus seinen damaligen Jacketts als Barings-Händler, von denen er die letzten drei Exemplare im Oktober zum Verkauf gestellt hat. Das Eingeständnis, ein Unrecht begangen zu haben, sei der Schlüssel zur Rehabilitation gewesen, meinte er im Bloomberg-Interview. Andere prominente Schurkentrader wie Jérôme Kerviel bei Société Générale oder Kweku Adoboli bei UBS hätten diesen Prozess noch nicht hinter sich gebracht.

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