Was macht eigentlich…

Nigel Farage, ehemaliger Brexit-Vorkämpfer

So sieht sich Nigel Farage am liebsten: In einem englischen Pub mit einem Pint, wo er den Puls der Strasse fühlen kann.

Er war im Vereinigten Königreich weder Premierminister noch Spitzenpolitiker bei einer der zwei dominierenden Parteien, den Tories und den Labour. Und trotzdem hat Nigel Farage die britische Politik in den vergangenen Jahren geprägt wie kaum jemand. Das lag vor allem daran, dass sein Polit- und damit auch sein Parteiprogramm während sieben Jahren lediglich aus einem Wort bestand: Brexit.

Doch nun können seine politischen Gegner aufatmen. Mit dem Abschluss sämtlicher Brexit-Gespräche Ende vergangenen Jahres ist auch Farages politische Legitimation zu Ende gegangen. Er hat vergangene Woche seinen Abschied als Chef der Reform-UK-Partei, wie die Brexit-Partei heute heisst, bekanntgegeben. Gegenüber den Medien sagte er, sein Lebenswerk sei mit der Befreiung des Vereinigten Königreichs aus den Fesseln der Europäischen Union erreicht.

Nun kehrt Farage wieder zu seinen ursprünglichen Wurzeln zurück. Der Sohn eines Börsenmaklers hatte vor seiner politischen Karriere während gut zwanzig Jahren als Investmentbanker gearbeitet, vornehmlich im Rohstoffbereich, zuletzt bei Natixis. Und einmal mehr gefällt er sich auch nach der Politkarriere in der Rolle des Underdogs. Seit Anfang Jahr ist er das Aushängeschild einer unregulierten britischen Anlageplattform namens «Fortune & Freedom» – Vermögen und Freiheit.

Nach dem Angriff auf das politische und mediale Establishment nimmt er damit nun auch die Finanzelite ins Visier. Geblieben ist ihm seine Kampfsprache. «Gewinne die Kontrolle über dein Geld zurück», lautet seine Ansage im Erklärvideo, in dem er ausführlich beleuchtet, wie der ehrenwerte Bürger, der jedes Jahr Geld für die Zeit nach der Pensionierung spart, von den Banken mit ihren hohen Gebühren übers Ohr gehauen werde. «Eine anständige Rendite zu erwirtschaften war so gar nicht möglich», sagt Farage mit ernstem Gesicht in die Kamera.

Natürlich preist er seine Plattform als Weg aus dem Gebührendilemma an. Mit täglichen Newslettern zu Anlageideen und edukativen Lehrstücken will er dem britischen Volk zu mehr Erfolg an den Finanzmärkten verhelfen. Was er im Video jedoch verschweigt: Auch er lässt sich für seine Tipps von den Leserinnen und Lesern bezahlen. 199 Pfund (umgerechnet rund 260 Fr.) kostet ein Jahresabonnement.

Allerdings sind seine bisherigen Tipps nicht wirklich originell. Wer auf spannende Aktientipps gehofft hat: Fehlanzeige. Als Rohstoffspezialist ist er ein ausgesprochener Anhänger von Gold – und neuerdings auch von Kryptowährungen. «Ich habe jahrelang mit den Leuten von der Strasse und natürlich in den Pubs gesprochen», sagt Farage in einem anderen Video. Viele würden sich fragen, was die Geldschwemme der Zentralbanken für ihr Geld und ihre Anlagen bedeuten würde. Im Wissen darum, dass viele Briten kaum Kenntnisse zu Bitcoin & Co. haben, empfiehlt er gleich auch ein Buch zur «Krypto-Revolution» aus dem eigenen Verlag.

Einmal mehr setzt Farage auf sein Erfolgsrezept der vergangenen Jahre. Er gibt sich volksnah, am liebsten mit einem Pint Bier in einem Pub, um sich so als Freund des einfachen Bürgers zu zeigen. In einem Land wie Grossbritannien, das die starke Trennung zwischen Elite und Fussvolk zelebriert, könnte dies ein weiteres Mal funktionieren.

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