Was macht eigentlich…

Oskar Lafontaine, ehemaliger SPD- und Linksparteichef

Da passte noch kein Blatt zwischen sie: Oskar Lafontaine (rechts) und Gerhard Schröder im Wahljahr 1998.

Dort, wo für ihn alles begann, wo er zu einem der mächtigsten Politiker Deutschlands aufstieg, dort ist er immer noch aktiv. Oskar Lafontaine, ehemaliger Ministerpräsident, Kanzlerkandidat, Finanz­minister und Parteichef sitzt bis heute im Parlament seines Heimatbundeslandes, des Saarlandes, als Fraktionschef der von ihm mitgegründeten Linkspartei.

Ruhiger ist der 77-Jährige nicht geworden. «Jetzt auch alle Kinder impfen? Verantwortungslos, solange Langzeitfolgen nicht bekannt sind!», gab er Mitte Mai auf Facebook zu Protokoll. Er wiederholte die Aussagen auch im saarländischen Parlament, wo er gleichzeitig bekanntgab, dass er sich selbst bereits gegen Corona hat impfen lassen. Aber in seiner Altersgruppe gebe es eben häufig schwere Krankheitsverläufe, bei Kindern kaum, so Lafontaine. Hier handle es sich sowieso um eine «interessengeleiteten Empfehlung der Pharmaindustrie».

Auch die Grünen bekamen jüngst seinen Furor zu spüren. Zur Partei im Umfragehoch und zu ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schrieb Lafontaine: Baerbock stehe einer kriegsfreudigen ­Partei vor. Sie bejahe völkerrechtswidrige Kriege, weitere Aufrüstung, Waffen­lieferungen und die Einkreisung Russlands durch die USA. Und sowieso sei ­Baerbock für das Amt ungeeignet. Die Mitarbeit in einer grünen Fraktion und die Erziehung zweier Kinder würde nicht «hinreichend qualifizieren, Bundeskanzlerin der grössten Wirtschaftsnation Europas zu sein». Altkanzler Gerhard Schröder meinte dazu in seinem Podcast: Für diese Äusserung «kriegt er sicher auch ­Ärger zu Hause». Lafontaine ist mit der prominenten Linkenabgeordneten Sahra Wagenknecht verheiratet.

Der Traum vom Kanzleramt blieb Lafontaine selbst verwehrt. 1990 stieg er für die SPD ins Rennen und unterlag Amts­inhaber Helmut Kohl. Lafontaine blieb Ministerpräsident im Saarland und setzte sich 1995 in einer Kampfabstimmung zum SPD-Parteichef gegen Rudolf Scharping durch. Zur nächsten Bundestagswahl sollte die Zeit des Machtwechsel dann endlich gekommen sein.

Doch Lafontaine liess bei der Kanz­lerkandidatur dem in der Öffentlichkeit beliebteren Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Gerhard Schröder, den Vortritt. Danach zimmerte er sich ein nie ­dagewesenes Superministerium für Finanzen, setzte arbeitnehmerfreundliche Regelungen wieder in Kraft, wendete sich gegen Steuersenkungen und plädierte für eine nachfrageorientierte Wirtschafts­politik. Bei Schröder setzte er sich damit nur bedingt durch. Zwischen den beiden Alphatieren kam es zum Bruch. Nach nur 142 Tagen trat Lafontaine vom Ministeramt und vom SPD-Parteivorsitz zurück.

Ausserhalb der Politik hielt es ihn nicht lang. Nachdem linke SPDler und Gewerkschafter aufgrund der liberalen Reformagenda Schröders die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) gegründet hatten, stellte sich Lafontaine alsbald an ihre Spitze. Zusammen mit der PDS, Nachfolgerin der ostdeutschen Diktatorenpartei SED, fusionierte sie zur Linkspartei. Von dem damaligen Aderlass hat sich die SPD bis heute nicht erholt und droht bei den Bundestagswahlen in diesem Jahr zum ersten Mal auf den dritten Platz zu fallen. Von Lafontaine jedenfalls wird kein Mitleid erwartet.

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