Was macht eigentlich…

Peter Siegenthaler, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung

Peter Siegen­thaler in seinem Element an der Prä­sentation des «Too big to fail»-Schlussberichts 2010.

Er stand in den letzten zwei «Vor-Corona-Krisen» in der Schweiz gleichsam im Auge des Sturms: Peter Siegenthaler, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Kurz nach seinem Amts­antritt als Chef der Finanzverwaltung im Jahr 2000 wird er, gleichsam aus dem blauen Himmel, mit der Swissair-Krise konfrontiert. Das Krisenmanagement hat ihn, wie er heute festhält, zeitweise bis hart an die Grenzen gefordert.

Im Rahmen der Finanzkrise folgt 2008 dann die Rettung der UBS. Auf diesen Fall ist man besser vorbereitet, Rettungsstrategien sind schon erarbeitet. In beiden Fällen laufen die Fäden des Krisenmana­gements bei Siegenthaler zusammen – er holt sich dabei hervorragende Noten ab. Insbesondere die UBS-Rettung findet auch international Beachtung.

Relativ kurz danach, im Jahr 2010, geht Siegenthaler, er ist 62 Jahre alt, vorzeitig in Pension. Fast nahtlos übernimmt er das Amt als Präsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken. Zudem wird er in den Verwaltungsrat der SBB ­gewählt. Diese zwei grossen Mandate ­absorbieren ihn stark. Hinzu ­kommen unterschiedliche Vorstellungen von der Strategie des Kantonalbanken­verbands. Nach lediglich eineinhalb Jahren tritt er – im Frieden, wie er betont – von diesem Amt zurück.

Nach seinem Rücktritt wird er in den VR der Berner Kantonalbank gewählt, dem er bis vor kurzem angehört hat. Es folgen Engagements im Stiftungsrat der Pro Juventute und später in der Kulturstiftung Pro Helvetia. Er wird zudem in den VR des Inselspitals in Bern gewählt. Zur Debatte steht die Zusammenführung der öffentlichen Spitäler im Kanton Bern. ­Zudem hält Siegenthaler an der Uni Bern jeweils im Wintersemester – zusammen mit anderen Experten – eine Vorlesung zur Finanzpolitik und zum Finanzmanagement. Ein Engagement, das ihm viel Freude macht und ihn wohl auch an seine Assistentenzeit an der Uni zurückerinnert.

Nun, im Alter von 72 Jahren, hat er all diese Mandate sukzessive auslaufen lassen. Zum Teil bedingt durch Altersguillotinen, die ihm aber zupasskamen, will er nun bewusst kürzer treten. Neue berufliche Engagements sucht er nicht mehr. Die Belastung war zeitweise hoch – er geniesst das Mehr an persönlicher Freiheit. Siegenthaler treibt gerne und oft Sport, im Vordergrund stehen Velofahren, Joggen und das Volleyballspiel mit Freunden. Fussball betreibt er nur noch passiv, die Berner Young Boys können auf seine Unterstützung zählen.

Daneben sind ihm Natur und Kultur wichtig. Das Naturerlebnis findet er beim Fischen, in der Aare, aber zum Teil auch im Ausland, sei es in Schweden oder in ­Österreich. Kulturelle Veranstaltungen geniesst er in erster Linie in Berlin, wo er sich mit seiner Frau eine Wohnung gekauft hat. Er verbringt etwa sechs bis acht Wochen im Jahr in der deutschen Metropole. Konzert- und Theaterbesuche sowie Museen stehen jeweils auf dem Programm.

Trotz der verdienten Ruhe will Siegen­thaler nicht nur sich selbst genügen. Er engagiert sich noch ehrenamtlich als ­Fahrer im Fahrdienst des Alters- und ­Behindertenheims in seinem Wohnort Bremgarten. Diese Aktivität musste er in den vergangenen Wochen coronabedingt zurückfahren, freut sich aber auf den bevorstehenden «Restart».

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