Was macht eigentlich…

Peter Wuffli, ehemaliger UBS-Chef

Peter Wuffli an seiner letzten Generalversammlung als CEO der UBS im April 2007 im Zürcher Hallenstadion.

«Ich wollte stets in der Finanzbranche präsent bleiben», sagt Peter Wuffli im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Dass er nun bei einer Bank ganz neuer Art ist, hatte sich der ehemalige UBS-Chef allerdings nicht träumen lassen, als er 2007 die Spitze der grössten Bank der Schweiz räumen musste. Der 63-jährige Zürcher ist heute Investor und Verwaltungsrat von Sygnum, der ersten Kryptobank des Landes, die Ende August von der Aufsicht die Banklizenz erhalten hat.

Zu Sygnum kam Wuffli über den Kontakt zu Mitgründer Mathias Imbach. Dieser arbeitete zuvor während seines Doktorats bei einem Projekt der Stiftung von Wuffli und seiner Ehefrau Susanna in Indien mit. Die Wufflis haben die Stiftung Elea 2006 gegründet, sie setzt sich für die direkte Bekämpfung von globalisierungsbedingter Armut im Ausland ein. Daneben ist Wuffli Vizepräsident des Opernhauses Zürich und Präsident der internationalen Business School IMD in Lausanne.

Sygnum geht nun mit sechzig Mitarbeitern und einer Finanzierung von 60 Mio. Fr. an den Start. Das Aktionariat besteht vor allem aus Schweizer und asiatischen Investoren, Niederlassungen gibt es in Zürich und Singapur. Die asiatische Finanzmetropole ist Wuffli bekannt, bis 2018 war er Berater der Zentralbank Singapurs.

Sygnum wird nun das Geschäft mit den ersten Kunden aufnehmen. Laut Wuffli habe die Bank bereits über tausend Anfragen von potenziellen institutionellen und qualifizierten privaten Kunden sowie von anderen Banken erhalten. Ihnen will Sygnum Dienstleistungen rund um Kryptovermögenswerte anbieten. Dazu gehören Aufbewahrung, Handel sowie Kredit- und Fondsmanagement. Künftig will sie Unternehmen auch anbieten, deren Aktien auf die Blockchain zu bringen.

Wuffli fasziniert, wie neue Ideen und Technologien Talente und Kapital mobilisieren. «Das erinnert mich an die Private-Equity-Industrie in den letzten zwanzig Jahren.» Vor über zehn Jahren war es laut «Tages-Anzeiger» eine Ausgeburt einer ­anderen Milliarden-Industrie, die Wuffli seinen Job an der UBS-Spitze kostete. Der Verwaltungsrat unter Marcel Ospel habe ihn 2007 ­wegen Managementfehlern bei Lancierung, Kontrolle und Auflösung des UBS-Hedge-Fund Dillon Read Capital Management abgesetzt. Es soll ein Verlust von über 0,5 Mrd. Fr. entstanden sein.

Kurz danach brach die Finanzkrise aus, und das ganze Ausmass einer anderen Bombe in der UBS-Bilanz, die unter Ospel und Wuffli ausgeweitet worden war, offenbarte sich. Wegen Milliardenverlusten mit US-Schrotthypotheken musste UBS 2008 vom Staat gerettet werden. Damals verlor auch Ospel den Job.

Wuffli, der nach dem amtierenden CEO Sergio Ermotti die Grossbank bisher am längsten führte (sechs Jahre), hat mit dem Kapitel UBS längst abgeschlossen. Verarbeitet hat er es in seinem 2015 erschienenen Buch «Inclusive Leadership». Wuffli schreibt, er hätte realistischer und kritischer sein sollen, besser auf Warnsignale achten und die Kultur vor allem im Investment Banking ändern müssen. Freiwillig habe er nach seinem Abgang auf 12 Mio. Fr. Bonus verzichtet, sagte er 2008 zur «NZZ am Sonntag». «Hohe Zahlungen für abtretende Topleute in einem Unternehmen in schwerer Schieflage sind nicht zu rechtfertigen», so Wuffli. Sein Beispiel hat bei der grössten Bank der Schweiz bisher keine Nachahmer gefunden.

, Closing Bell / Was macht

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.