Was macht eigentlich…

… Roland Koch, Ex-Ministerpräsident

Roland Koch (links) im Mai 2010, drei Monate vor seinem Rücktritt als Hessens Ministerpräsident mit seinem Nachfolger Volker Bouffier.

Als Ministerpräsident des Bundeslandes Hessen war Roland Koch einst einer der bekanntesten Politiker Deutschlands. Er wurde zeitweise als Kanzlerkandidat ­seiner Partei, der CDU, gehandelt. Doch die aktive Politik hat Koch vor genau zehn Jahren hinter sich gelassen. Dafür ist er seitdem eng mit der Schweiz verbunden. Seit 2011 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der UBS Deutschland, die 2015 zur UBS Europe ausgebaut wurde, nachdem die Schweizer Grossbank ihr Europageschäft in Frankfurt zentralisiert hatte.

«Wir haben damit punkto Integration unter den Grossbanken Europas eine Vorreiterrolle eingenommen», sagt Koch, den wir in seiner Anwaltskanzlei im Frank­furter Stadtteil Westend erreichen. «Der ­Brexit hat dazu geführt, dass wir neben der Vermögensverwaltung auch das ­Investment Banking aus London dazubekommen haben», sagt Koch. So habe sich die Bilanz grob gesagt verdreifacht. Zudem habe die Regulierung seit der Finanzkrise das Geschäft komplexer gemacht.

«Parallel zu dieser Aufgabe als CEO ein grosses Unternehmen zu führen, wäre heute nicht mehr möglich.» Bis 2014 tat er dies, als Chef des deutschen Industriedienstleisters Bilfinger. Koch trat zurück, nachdem das Unternehmen in eine Krise geraten war. Der Aufsichtsrat klagte alle Konzernleitungsmitglieder von damals auf Schadenersatz ein und schloss mit den Betroffenen im Juni dieses Jahres einen Vergleich über 18,2 Mio. €.

Auf Kochs Bankmandat hatte das ­keinen Einfluss. Doch auch Europas Grossbanken stehen im Umfeld historisch tiefer Zinsen unter Druck. Einen Ausweg ­sehen viele in Fusionen der Grossen. Diese müssten laut Koch aber erst gesetzgeberisch ermöglicht werden. Heute herrschen zwischen den Ländern Europas erhebliche Unterschiede in der Bankengesetzgebung, was Fusionen stark erschweren würde. UBS-Präsident Axel Weber sprach sich deshalb unlängst für die Schaffung eines einheitlichen Regulierungsrahmens für Grossbanken aus. «Auch in Europa müssen Banken grenzüberschreitend fusionieren können, sonst ist die Wettbewerbsfähigkeit mit Banken anderer Kontinente nicht herzustellen», sagt Koch.

Zurzeit beanspruchen Koch seine Aufgaben vor dem Hintergrund der Coronapandemie stark. «Die Arbeit ist in der Krise mehr geworden.» Neben UBS sitzt der 62-Jährige noch in den Aufsichtsräten der deutschen Tochter des britischen Telcos Vodafone und der Dussmann Group, eines der grössten Gebäudedienstleister Deutschlands. An der Frankfurt School of Finance & Management hat er einen Lehrstuhl für Regulierung inne. In der Schweiz ist er zudem Verwaltungsrat des Zuger Batterieherstellers iQ International.

Auch wenn die aktive Politik ein Jahrzehnt zurückliegt, zu Wort meldet sich Koch weiterhin. Wie als Ministerpräsident positioniert er sich dabei auf dem rechten Flügel seiner Partei, etwa als er Ende 2019 kritisierte, die CDU würde ihr Leitbild von Freiheit und Verantwortung verblassen lassen, «unanständiges Verhalten» auch von Zuwanderern zu sehr dulden sowie die Bundeswehr über die Massen abrüsten. Es seien «Ratschläge» an einen mög­lichen CDU-Nachfolger von Kanzlerin ­Angela Merkel im nächsten Jahr. Dabei unterstützt Koch einen Wiedereinsteiger in die Politik: Friedrich Merz. Für sich selbst schliesst er hingegen ein politisches Comeback aus.

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