Was macht eigentlich…

Rudolf Bohli, Ex-Aktivist

Zu Aktivistenzeiten: Rudolf Bohli im Februar 2015 bei einem Besuch in Madrid.

Ruhig ist es geworden um den Mann, der es gewohnt war, Lärm zu machen. Rudolf «Ruedi» Bohli, der bekannteste aktivistische Investor der Schweiz, ist keiner mehr. Seine letzten Fonds befinden sich in Auflösung, sagt er zu «Finanz und Wirtschaft». Seine Gesellschaft RBR Capital Advisors, mit der er das Management von Credit Suisse, GAM oder Gategroup das Fürchten lehren wollte, wird bald nur noch sein privates Investmentvehikel sein.

Fünfzehn Jahre war er Vollzeitaktivist und -fondsmanager. «Jetzt ist es Zeit für etwas Neues», sagt der 51-Jährige, der einst bei UBS in die Finanzindustrie einstieg und – bevor er eigene Wege ging – sich später bei der Bank am Bellevue den Ruf eines genialen Analysten erarbeitete. Stritt er früher mit den Verwaltungsräten seiner Zielobjekte, sitzt er heute selbst in einem solchen Gremium. Bohli ist Präsident von Pep Security, einer Spezialfirma im Bereich Cybersecurity. Pep steht für Pretty Easy Privacy.

Die Gesellschaft, eingetragen im Kanton Schwyz, mit Büros in Zürich und Luxemburg, hat als erste konkrete Produkte zwei Technologien zur Verschlüsselung von Swift-Transaktionen entwickelt. Swift ist eine Genossenschaft mit Sitz in Belgien, über die rund 11 000 Banken in rund 200 Ländern über 25 Mio. Transaktionen pro Tag untereinander abwickeln. Jeder Bankkunde, der Geld ins Ausland überweist, nutzt dieses Netzwerk. «Wir haben die Technologien in den Swift-Servern eingebaut, jetzt machen wir das Gleiche bei den Banken», sagt Bohli.

Pep will zum wichtigen Player in der Digitalisierung der Bankenwelt werden. Damit schliesst sich der Kreis zu Bohlis letztem aktivistischen Investment. 2016 wollte er mit einem Anteil von unter 1% (rund 100 Mio. Fr.) an Credit Suisse, radikalen Plänen und Forderungen sowie viel Medienecho die Grossbank dazu bringen, sich aufzuspalten.

Die grosse, volatile Handelsabteilung wollte er verkaufen, die Beratungs- und Deal-Abteilung der Investmentbank sollte separat an die Börse gebracht werden. Credit Suisse Schweiz mit dem Kerngeschäft der Vermögensverwaltung sollte zur digitalsten Bank der Welt werden, mit einer brandneuen IT – quasi eine Schweizerische Kreditanstalt 2.0.

Das CS-Management hörte Bohli an, tat dann aber nichts dergleichen. Wie Eric Knight bei UBS erreichte Bohli bei CS nicht viel. Eine kritische Masse an Investoren konnte er nicht hinter sich versammeln, grosse Aktivisten wollten sich nicht anschliessen. Bohli verkaufte schliesslich seine CS-Aktien. Gewinn habe er kaum gemacht damit, anders als bei seinen Engagements in GAM und Gategroup, wo die Titel nach seinem Einstieg zumindest ein Kursplus verzeichneten.

Auch wenn aus seinem CS-Angriff nichts geworden ist, Bohli glaubt weiter an das, was er damals predigte: Die Banken laufen mit ihren teilweise jahrzehntealten, unterschiedlichsten Systemen in ein mächtiges Problem, viele hätten eine radikale Erneuerung nötig. «Was viele dieser Häuser versuchen, ist quasi, das neueste iPhone mit einem uralten Nokia zusammenzuschrauben. Das ist äusserst ineffizient und teuer.» Mit Pep will Bohli nun Lösungen anbieten. Ein Börsengang der Gesellschaft ist für den ehemaligen Aktivisten in Zukunft selbstverständlich eine Möglichkeit. Bereits 2021 könnte es laut Bohli so weit sein.

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