Was macht eigentlich…

Silvan Zurbriggen, Ex-Skiprofi

Völlig unerhofft reüssierte Silvan Zurbriggen in St. Moritz und gewann 2003 die WM-Silbermedaille.

In gut einem Monat startet die Saison der alpinen Slalomfahrer. Zu den Anwärtern auf den Disziplinensieg gehören mit Daniel Yule und Ramon Zenhäusern auch zwei Schweizer. Die beiden Walliser haben sich in den vergangenen Jahren an der Weltspitze etabliert und schon mehrere Siege herausgefahren.

Zu Beginn der Nullerjahre sahen die Aussichten des Schweizer Slalomteams schlechter aus. Einzig Silvan Zurbriggen (39) – ebenfalls Walliser – vermochte in dieser Disziplin über einen längeren Zeitraum mit der Weltspitze mitzuhalten. Davon zeugen einerseits die eher unerwartete Silbermedaille an der WM 2003 in St. Moritz und andererseits die vielen Podiumsplatzierungen im Weltcup. Doch auch in der Alpinen Kombination (Olympiabronze 2010) oder in der Abfahrt überzeugte er in jener Zeit als einer von sehr wenigen Schweizern, weshalb er manchmal als Einzelgänger abgestempelt wurde. «Doch weder mein Umfeld noch ich nehmen mich so wahr», sagt Zurbriggen.

Im März 2015 hängte er seine Ski an den Nagel. Seither ist er in der Privatwirtschaft tätig. Vor zwei Jahren wurde er zum Verwaltungsratspräsidenten der Moosalpregion-Bergbahnen gewählt. Das ist für den Ex-Skiprofi eine Herzensangelegenheit. «Die Region rund um Bürchen ist meine Heimat. Hier tanke ich Energie.» In den eigenen vier Wänden zu Kräften zu kommen, stellte für Zurbriggen ein Novum dar: «Als Skisportler bist du sowohl im Winter als auch im Sommer viel unterwegs. Das Reisen kostet enorm Substanz.»

Was er dagegen aus seiner Zeit als Sportler etwas vermisse, seien das Adrenalin und die Anspannung, die unmittelbar vor dem Lauf aufkommen. «Wie sich der Körper im Starthäuschen anfühlt, ist schon ein spezielles Gefühl und mit nichts anderem in meinem jetzigen Alltag vergleichbar», erzählt Zurbriggen.

Zurbriggen durfte während seiner Karriere mehrere Male Jubeln. (Bild: Eddy Risch/Keystone)

Parallelen zwischen seiner Zeit als Skiprofi und seiner Aufgabe als VRP sieht er dennoch. «Sowohl als Sportler als auch in meiner aktuellen Position will ich immer das Bestmögliche leisten. Bei jedem Gast möchte ich das Maximum rausholen, damit er zufrieden ist.» Das sei allerdings mit unvermeidbaren Rückschlägen verbunden. Als VRP seien es etwa politische Abstimmungen, die nicht wie gewünscht ausgehen. In diesen Situationen müsse man Geduld beweisen. Mit seiner langen Verletzungshistorie – besonders der Rücken machte ihm immer wieder zu schaffen – habe er viel gelernt, wie man am besten damit umgehe.

Wenn Zurbriggen nicht hinter dem Schreibtisch sitzt, begegnet man ihm in der Natur. Auf seiner Homepage listet er unter anderem Eringerkühe als sein Hobby auf. Die Familie seiner Frau züchtet mit viel Leidenschaft diese Kühe, die in Kämpfen eingesetzt werden.

Zurbriggens grosse Leidenschaft: die Eringerkühe. (Bild: ZVG/Silvan Zurbriggen)

Die Athleten auf den Ski verfolgt er heute noch. Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Schweizer Kader ist so breit wie wohl noch nie. Im vergangenen Winter gewann es erstmals seit 1989 die ­Na­tionenwertung. Von einem Schweizer ist ­Zurbriggen besonders beeindruckt: Marco Odermatt. «Er zeigt sich so unbekümmert und locker. Wenn er die Kaltschnäuzigkeit behält und gesund bleibt, hat er das Potenzial, den Gesamtweltcup zu gewinnen.» Wenn das ein WM- und Olympia-Medaillengewinner sagt, dann kann sich die Ski-Schweiz auf eine rosige Zukunft freuen.

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