Was macht eigentlich…

Silvio Berlusconi, Unternehmer und Politiker

Silvio Berlusconi im November 2011 beim Verlassen des Präsidentenpalasts, wo er formell seinen Rücktritt eingereicht hat.

Zehn Jahre ist Silvio Berlusconis Rücktritt als Italiens Ministerpräsident her. Es waren am Schluss nicht die Skandale und ­Affären, die den Cavaliere zu Fall brachten, sondern die europäische Schuldenkrise und die Rezession. Der Druck aus Brüssel, von den Finanzmärkten, der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie von einflussreichen Grössen im Inland war zu gross geworden. Berlusconis Mitte-rechts-Regierung wurde nicht mehr zu­getraut, eine Lösung für die ausufernden Staatsfinanzen und die steigenden Zinskosten zu finden. Mit seinem Abgang machte Berlusconi den Weg frei für die Technokratenregierung von Mario Monti, die das Vertrauen in die italienische Politik wiederherstellte, noch bevor der neue EZB-Chef Mario Draghi mit ­seinem legendären «Whatever it takes» zur Rettung kam.

Doch ganz vorbei war die Politkarriere des Medienmoguls damit noch nicht. Schon bei den Neuwahlen 2013 kandidierte er wieder und unterlag dem Mitte-links-Bündnis von Pier Luigi Bersani nur knapp. Sein politischer Ziehsohn Angelino Alfano wurde sogar Innenminister und Vizepräsident der neuen Koalitionsregierung.

Doch Berlusconis Gefolgsleute liessen den Ex-Boss fallen, als die Schlinge der Justiz immer enger wurde. Alfano und andere traten aus der Partei Berlusconis aus und besiegelten damit sein vorläufiges politisches Ende. Er wurde im Mediaset-Prozess wegen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen und zu vier Jahren Haft verurteilt, wovon ihm aber drei wegen einer Amnestieregelung erlassen wurden. Wegen seines Alters musste er auch den Rest der Strafe nicht im Gefängnis ­absitzen, sondern nur im Hausarrest mit sozialen Einsätzen. Aber er durfte mehrere Jahre keine politischen Ämter mehr bekleiden. So blieb es einige Jahre ruhig um ihn. Grössere Wellen schlug 2017 der Verkauf des Fussballclubs AC Milan an ein chinesisches Syndikat für 750 Mio. €. ­Dafür übernahm er für 3 Mio. € den Drittligisten Monza, mit dem er das Ziel, bis zum Jahr 2021 in der Serie A aufzusteigen, nur knapp verfehlt hat.

Nach Ablauf des Amtsverbots schaffte Berlusconi 2019 die Wahl ins Europaparlament. Er ist immer noch Parteichef von Forza Italia und nun wieder häufiger in der Hauptstadt. In seiner Villa an der Via Appia antica empfängt er seine Verbündeten und schmiedet Pläne für sein Comeback. Er hat das Staatspräsidium im Auge, das nach Ablauf der Amtsperiode von Sergio Mattarella im Februar 2022 neu besetzt wird. Doch seine Chancen sind gering, weil er auch Stimmen aus dem linken Lager bekommen müsste.

Auch sein Alter und sein Gesundheitszustand sind ein Handicap. Der 85-Jährige hat Herzprobleme und musste 2020 nach einer Covid-19-Infektion mit einer Lungenentzündung hospitalisiert werden. Im Mai verbrachte er wegen Long-Covid-Symptomen erneut zwei Wochen in einer Klinik. Seine Anwälte nutzen seine gesundheitlichen Probleme zu seinem Vorteil. Er wird immer dann ins Spital eingeliefert, wenn ein Gerichtstermin bevorsteht. Und davon gibt es noch viele: Der Prozess wegen Missbrauchs einer Minderjährigen ist noch nicht abgeschlossen. Eine andere Anklage lautet auf Zeugen­bestechung. In einem Fall wurde er im Oktober von einem Gericht in Siena freigesprochen. Doch es laufen dazu noch Verfahren in anderen Städten

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