Was macht eigentlich…

… Sputnik, sowjetische Raumsonde

Eine der vielen Nachbildungen von Sputnik 1. Er ist im Trainigszentrum für Kosmonauten nahe Moskau zu besichtigen.

Sie waren die ersten Lebewesen, die ins Weltall geschossen wurden und lebendig wieder zurück zur Erde kehrten. Diese Woche vor sechzig Jahren, genauer am 20. August, landeten die Hundedamen Belka und Strelka wohlbehalten im Schosse von Mütterchen Russland. Noch vor Juri ­Gagarin, dem ersten Menschen im All, ­erlangten sie so quasi den Status von Volkshelden. Ihre ausgestopften Körper sind bis heute im Kosmonautenmuseum in ­Moskau zu besichtigen, zusammen mit ihrem Gefährt namens Sputnik 5.

Der Start des allerersten Sputnik (russ.: Begleiter) im Oktober 1957 löste im Westen einen gleichnamigen Schock aus. Zum ersten Mal war es der Menschheit gelungen ein Objekt ins All zu schiessen. Das Piepsen der gut 80 Kilo schweren Metallkugel – empfangbar über Kurzwelle – signalisierte den USA: Die Raketen der Sowjets konnten nun amerikanischen Boden ­erreichen. Der Sputnik-Schock führte zur Gründung der US-Raumfahrtbehörde Nasa und zum Wettlauf im All, den die USA mit der Landung der ersten Menschen auf dem Mond schlussendlich für sich entscheiden sollten.

Zuvor wurden aber 25 der sogenannten Sputniks ins All gestartet. Zumindest der Westen folgte dieser Klassifizierung. Die Sowjets nannten ihre nachfolgenden Raumsonden Kosmos, Mars, Venera oder Luna. Man möchte doch meinen, dass sich mindestens eine dieser 25 noch «im Dienst» befindet. Fragt man bei der ­rus­sischen Raumfahrtbehörde Roscosmos nach, erhält man keine Antwort. Die Nasa antwortet, weiss aber von keiner ­aktiven Sowjetsonde: Alle Sputniks seien entweder zur Erde zurückgekehrt oder geplant beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Einzig Teile von Sputnik 4 sollen 1962 auf eine Strassenkreuzung im US-Bundesstaat Wisconsin gestürzt sein. Die europäische Weltraumagentur Esa ­bestätigt schliesslich, es befände sich kein Sputnik mehr im Erdorbit. Sie muss es ­genau wissen. Das Esa Space Debris ­Office, das Weltraumschrottbüro der Agentur, kartografiert die Erdumlaufbahn nicht nur nach im Betrieb befindlichen Satelliten, sondern auch nach ausgemusterten und auseinandergebrochen. Rund 128 Millionen Schrottobjekte, schätzt die ESA, kreisen um die Erde. Um dem Einhalt zu gebieten, hat die Agentur Ende 2019 ein Konsortium unter der Leitung des Schweizer Start-up ClearSpace beauftragt, einen Roboter zu entwickeln, der den Abfall in Zukunft einsammeln soll.

Doch wenn auch nicht im Erdorbit, weiter draussen im All könnten immer noch zwei Sputniks ihre Bahnen ziehen. Die sowjetische Venera 1, im Westen ­Sputnik 8 genannt, war die erste Raumsonde, die 1961 zur Venus geschickt wurde. Auf dem Weg dorthin riss allerdings der Funkkontakt für immer ab. Sputnik 23, von den Russen Mars 1 genannt, ereilte dasselbe Schicksal, als er 1962 auf dem Weg zu unserem anderen Nachbarplaneten war.  

Besser bekannt ist der Verbleib der Sputniks, die konstruiert aber nicht ins All geschossen wurden. Eine Handvoll von ­ihnen ist in Museen in den USA, ­England, Australien, Spanien und Russland zu ­besichtigen. Das früheste Ausstellungsstück hängt dabei bis heute in New York im Gebäude der Vereinten Nationen. Es war 1957 ein Geschenk direkt von der ­Sowjetunion, nachdem sein Bruder im ­selben Jahr als erstes menschengemachtes Objekt aus dem All piepste.

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