Was macht eigentlich…

Tidjane Thiam, Ex-CS-Chef

Als er noch versuchte, alles zusammenzuhalten: Tidjane Thiam als CEO von Credit Suisse im Oktober 2019.

Was er in Zukunft machen will? Dazu schwieg Tidjane Thiam Mitte Februar, als er für Credit Suisse ein Glanzergebnis 2019 präsentierte – ein Resultat auch seiner Sanierung der vergangenen fünf Jahre. Es war seine letzte Amtshandlung als Chef der zweitgrössten Bank der Schweiz. Zuvor hatte ihn der Verwaltungsrat (VR) zum Rücktritt gedrängt. Der 57- Jährige sagte zuletzt nur: «Morgen werde ich mich ausruhen.» Lange geruht hat der Franko-Ivorer nicht. Wie das Magazin «Jeune Afrique» berichtete, soll Thiam an der Generalversammlung vom 23. April für vier Jahre in den VR des französischen Luxusgüterkonzerns Kering (u.a. Gucci und Yves Saint Laurent) gewählt werden. Das schrieb das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börse in Paris.

Dort hatte Thiam in den Achtzigerjahren an der Eliteuniversität École Polytechnique studiert. Persönlich erreichbar ist er nicht. Die Schmach seines Abgangs wiegt noch zu schwer. So schildert es eine Person, die näher dran ist. Zuletzt kürzte CS ihm auch noch seinen letzten Bonus. «Er hat erst einmal die Schnauze voll.» Das Drama begann vor über einem Jahr mit einem Zerwürfnis mit Ex-CS-Manager Iqbal Khan, mit dem Thiam Villa an Villa in Herrliberg wohnt. Der Streit ging so weit, dass Khan Leib und Leben bedroht sah. Das Arbeitsverhältnis wurde aufgelöst, Khan ging zur UBS. Während seiner Karenzzeit wurde er beschattet. Eine interne Untersuchung ergab, Thiams engster Vertrauter in der Bank, der operative Leiter Pierre-Olivier Bouée, habe die Überwachung eigenmächtig veranlasst. Thiam will von nichts gewusst haben.

Später kam heraus, dass auch Ex-Personalchef Peter Goerke Anfang 2019 beschattet worden sein soll, kurz bevor er aus der Geschäftsleitung ausschied. Wieder soll es Thiam-Freund Bouée gewesen sein. Finanzmarktaufsicht und Staatsanwaltschaft ermitteln. Für VR-Präsident Urs Rohner wurde der Druck und der Reputationsschaden derart gross, dass er keine andere Möglichkeit sah, als den CEO zu schassen. Beschattungen von Topshots können ein legitimes Mittel eines Konzerns sein, um dessen Interessen zu schützen, sagte Thiam dieses Jahr noch dem Westschweizer Fernsehen.

Zugleich beklagte er, dass «gewisse Personen» aus der Deckung auf ihn angefangen hätten zu feuern, als er bekanntgegeben hatte, die Schweizer Staatsbürgerschaft anzustreben. Das Vorhaben sei mit seinem Abgang nun unwahrscheinlich geworden, sagt die Person, die näher dran ist. «Sein neuer Wohnort wird von seinem zukünftigen Arbeitgeber abhängen.» Dieser dürfte nun eher in London liegen, wo Thiam einst den Versicherungsriesen Prudential leitete, oder in Paris, wo er sein erstes Mandat in der Post-CS-Ära antreten wird. Vielleicht zieht es ihn aber auch in sein Geburtsland Elfenbeinküste.

Ende der Neunzigerjahre war der Spross einer einflussreichen Familie dort Minister. Gemäss «Jeune Afrique» habe er im Land eine Basis, die ihn als nächsten Präsidenten portiert. Der amtierende Alassane Ouattara wird kommenden Oktober nicht mehr zur Wahl antreten. Von «Jeune Afrique» auf die Option Thiam angesprochen, wird er zitiert: «Es ist an ihm zu sagen, was er in Zukunft machen will.» Zumindest ausgeruht scheint sich Thiam schon einmal genug zu haben.

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