Was macht eigentlich…

Umberto Bossi, Gründer der Lega

Die Geschichte der italienischen Partei Lega begann, als Umberto Bossi 1984 die Lega Lombarda ins Leben rief.

In diesen Tagen mobilisiert in Italien Lega-Chef Matteo Salvini alle Parteifreunde. Sie sollen für Neuwahlen werben und damit den Weg ebnen zur ersten von der Lega geführten Regierung. Nur eine Stimme bleibt stumm: Umberto Bossi schweigt. Das mag mit der angeschlagenen Gesundheit des mittlerweile 77-Jährigen zu tun haben. Aber nicht nur. Er ist zwar der Gründer der Partei, die vor 35 Jahren als Lega Lombarda begann, und er sitzt für sie noch heute im Senat. Dennoch gehen beide auf Distanz: Der alte Vorsitzende, weil er sich von der heutigen Führung verraten fühlt und schmollt. Die Partei und ihre Spitze, weil sie nicht an die von Betrügereien und Skandalen geprägte Vergangenheit der Lega erinnert werden wollen.

Selbst in Italien, wo es an Erfahrung mit korrupten Politikern nicht mangelt, ragt die freche und zugleich dilettantische  Art und Weise heraus, wie sich der selbst ernannte Freiheitskämpfer Norditaliens illegal bereicherte. Der Mann, der sich mit dem Staatspräsidenten und dem nationalen Erbe Giuseppe Garibaldis anlegte, die Sezession forderte einschliesslich der  Gründung eines autonomen Staats «Padanien», zweigte jahrelang staatliche Parteizuschüsse für private Zwecke ab.

Zwischen 2008 und 2010 verschwanden insgesamt 49 Mio. € in den Kassen der inzwischen zu Lega Nord umbenannten Partei spurlos. Bis heute fehlt davon jede Spur. Ein Teil landete in Bossis Taschen. Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Parteizentrale ein schwarzes Buch mit der Aufschrift «The Family», in dem die Ausgaben der Familie Bossi fein säuberlich aufgeführt wurden. Restauranteinladungen, Autos, die Renovierung der eigenen Villa, plastische Chirurgieoperationen und selbst der Studienabschluss des Sohns Renzo, an einer Universität in Albanien, wurde mit Geld aus der schwarzen Kasse gekauft. Die Familie, ihre Freunde und politischen Mitstreiter lebten in Saus und Braus. Im Nachhinein erinnerten sich die Bossis natürlich an nichts. Der Filius gab vor Gericht zu Protokoll, er habe gar nicht gewusst, über ein Diplom zu verfügen. Nach einer kurzen Phase als Regionalrat in der Lombardei, wo er Geld abzweigte, treibt Renzo heute als «Influencer» mit Namen «the importance of being bossi» auf Instagram sein Unwesen.

Seit 2012 alles aufflog, befassen sich die Gerichte mit den Vorfällen. Umberto Bossi hatte letztlich Glück: Von den drei Verfahren, die ihm jeweils mehrere Jahre Haft hätten einbringen können, hatte nur eines Konsequenzen für ihn. Bossi bekam 1 Jahr und 15 Monate, vermochte sich aber bisher dem Haftantritt zu entziehen, u. a. dank seines fortgeschrittenen Alters und der parlamentarischen Immunität.

Natürlich verlor er die Macht in der Partei. Die Lega selbst wurde kürzlich zur Rückzahlung der 49 Mio. € verurteilt – über einen Zeitraum von 80 Jahren. Bossi muss seinerseits für die von ihm direkt veruntreuten Gelder aufkommen. Dafür wird ihm ein Teil seiner Diäten gepfändet. Die bezieht er weiterhin, wurde er doch 2018 für die Lega wieder in den Senat gewählt. Dort wirkt er als Hinterbänkler ohne Ambition oder Chance, erneut ein Ministeramt zu übernehmen.

Inzwischen ist Umberto Bossi Italiens Parlamentarier mit der zweitlängsten Dienstdauer: Seit 28 Jahren verfügt er ununterbrochen über ein Mandat. Ob im Interesse seines Landes oder eher nicht, sei dahingestellt.

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