Was macht eigentlich …

Alexander Friedman, Ex-CEO GAM

Alexander Friedmann als GAM-Chef im März 2015. Sein Gewinnversprechen konnte er nie einhalten und musste 2018 den Posten räumen.

Wenn die Karriere in der Finanzbranche unrühmlich zu Ende geht, versuchen Ex-Manager entweder einen konventionellen Weg weiterzugehen oder eine unkonventionelle Route einzuschlagen. Alexander Friedman, Ex-CEO des kriselnden Asset-Managers GAM, hat beides getan. Anfang des Jahres hat er auf konventionelle Art mit dem Ex-GAM-Chefökonomen Larry Hathaway den Think Tank «Jackson Hole Economics» gegründet. Ihre Ambition: Ideen für ein nachhaltiges Wachstum liefern. Wie «Finanz und Wirtschaft» erfahren hat, wird er als Nächstes einen Hunderttageplan für einen möglichen US-Präsidenten Joe Biden veröffentlichen, denn «das Land ist in keiner guten Verfassung», wie es aus Friedmans Umfeld heisst.

Der Name des Think Tank weckt Erinnerungen an die jährliche Konferenz von Zentralbankern und Finanzministern im Tal Jackson Hole. Doch die Region am Fusse des Yellowstone Nationalparks im US-Bundesstaat Wyoming ist auch Friedmans heutiges Zuhause, wo er mit Frau Monika, Tochter Ava und Labrador Babu lebt. Und hier schliesst der unkonventionelle Weg des US-Amerikaners an: Er ist unter die Kinderbuchautoren gegangen. Anfang des Jahres erschien sein Erstlingswerk «Babu’s Bindi», das er für seine Tochter geschrieben hat. Darin geht es um Friedmans Familie und ihren Hund, der bei ihnen ein neues Zuhause gefunden hat. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten. Ebenso wie Friedmans zweites Kinderbuch, das im Mai erschienen ist. In «The Big Thing» geht es allerdings um ein ernsteres Thema. Die kleine Bea setzt sich dar­­in mit dem Coronavirus auseinander und versucht, «den Silberstreif in dieser Krise zu finden». Die Einnahmen aus dem Werk, das in neun Sprachen übersetzt wurde und unter Mitarbeit von Kindern auf der ganzen Welt entstand, sollen an Covid-19-Hilfsprojekte gehen.

Für Friedman scheint die Zeit in der Schweiz weit zurückzuliegen. 2018 musste er den GAM-Chefsessel räumen. Während seinen vier Jahren an der Spitze konnte der Ex-Investmentchef der UBS Ver­mögensverwaltung sein Gewinnversprechen nie erfüllen. Seine GAM-Karriere wurde dann allerdings von der grössten Krise in der Geschichte des Asset-Managers beendet. Im Juli 2018 suspendierte er den Top-Fondsmanager Tim Haywood mit dem Vorwurf des groben Fehlverhaltens. Er soll Risikomanagement- und ­Dokumentationspflichten nicht eingehalten haben. Es ging Friedman dabei darum «sich zu aller erst ethisch korrekt zu verhalten», heisst es aus seinem Umfeld.

Nach Haywoods Entlassung zogen ­Anleger massiv Gelder aus GAM-Fonds ab. Das Unternehmen machte 2018 einen Verlust von 930 Mio. Fr. Bis heute verlor die Gesellschaft über die Hälfte der verwalteten Vermögen in ihrer Kerndivision und rund 80% an Börsenwert. Das bekam der Princeton-Absolvent Friedman, der vor seiner UBS-Zeit Finanzchef der Bill & Melinda Gates Foundation war und unter Präsident Bill Clinton im Weissen Haus arbeitete, dann aber nicht mehr mit. Den Versuch eines Turnarounds unter seinem Nachfolger Peter Sanderson, verfolgt Friedman gemäss Umfeld nicht. Doch auch wenn der 50-Jährige nach vier Jahren in der Schweiz wieder zurück in den USA ist, kann er sich auch im Yellowstone neben Wirtschaftsforschung, Autorschaft und Familie ganz seinen Passionen widmen: Bergsteigen und Skifahren.

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