Was macht eigentlich…

Frederik Willem de Klerk, letzter weisser Präsident Südafrikas

F. W. de Klerk und Nelson Mandela 2004 im Parlament in Kapstadt – zehn Jahre nach den ersten freien Wahlen.

Seine Stimme ist etwas schwächer, der Haarkranz um den Kopf noch ein wenig lichter geworden. Doch sonst deutet wenig darauf hin, dass Frederik Willem de Klerk, Südafrikas letzter weisser Präsident, Mitte März bereits 84 Jahre wird. Man erkennt ihn noch immer sofort. Dabei liegt der grosse Moment, der ihn weltweit in die Schlagzeilen brachte, bereits drei Jahrzehnte zurück: Am 2. Februar 1990 verkündete de Klerk überraschend die vollständige Abschaffung der  Apartheid, der Rassentrennung, die Südafrika jahrzehntelang international zum Paria-Staat gemacht hatte. Alle verbotenen schwarzen Widerstandsbewegungen wurden erlaubt, alle politischen Gefangenen freigelassen – darunter auch Nelson Mandela.

Zur Erinnerung an das politische Erdbeben und zur Stärkung der unter Druck geratenen Verfassung lädt die von de Klerk gegründete und nach ihm benannte Stiftung alljährlich zum 2. Februar zu einer Zusammenkunft ein. Bisher hatte de Klerk die Lage im Land zwar kritisch, doch stets wohlwollend beurteilt. Doch am jüngsten Treffen hätte das von ihm gemalte Bild düsterer kaum sein können: In einer leidenschaftlichen Rede beklagte de Klerk  den schier hoffnungslosen Niedergang des Landes in den vergangenen Jahren – und flehte den regierenden African National Congress ANC inständig an, den destruktiven Pfad zu verlassen, den die frühere Widerstandsbewegung mit ihrer wirtschaftsfeindlichen und zunehmend antiweissen Politik eingeschlagen hat.

Anders als im historischen Kompromiss zwischen Schwarz und Weiss einst vereinbart, habe der ANC in seinem Streben nach totaler gesellschaftlicher Macht viele Absprachen von damals bewusst gebrochen, klagte de Klerk. Als Folge davon stehe Südafrika heute nicht mehr an einer weiteren Weggabelung, wie es immer wieder heisse, sondern habe sie längst passiert und folge nun einem «völlig falschen, brandgefährlichen Weg, der direkt in eine dunkle Wolkenbank» führe.

Bezeichnend für die weitgehende Aufgabe der einst von ihm und Mandela verfolgten Versöhnungspolitik ist, dass gerade jetzt am Kap ein erbitterter Streit über die Einschätzung der Apartheid ausgebrochen ist. Auslöser dafür war eine Aussage de Klerks, in der er sich dagegen wehrte, die Apartheid insgesamt als «ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit» zu beschreiben. Die Uno hatte dies seit 1973 wiederholt getan. Bei den entsprechenden Resolutionen habe es sich allerdings um «sowjetischen Agitprop» im Kalten Krieg gehandelt, gab die De-Klerk-Stiftung zu bedenken, um schliesslich um des Friedens willen doch davon Abstand zu nehmen. Doch der Schaden war bereits angerichtet – und die Entrüstung bei de Klerks Gegnern riesengross. Einige forderten sogar, ihm den Friedensnobelpreis zu entziehen, der ihm 1993 zusammen mit Nelson Mandela verliehen worden war.

Mehr als der Streit über die Vergangenheit beunruhigen den Juristen de Klerk die immer neuen Versuche des ANC, Südafrikas Verfassung und Gerichte zu untergraben. «Südafrika muss alles versuchen, die zarte Pflanze seiner jungen, fragilen Demokratie zu nähren, und darauf achten, dass sie nicht in der Hitze der harten Realität verdorrt», hatte er schon früh gewarnt. Dreissig Jahre nach der Wende deutet vieles darauf hin, dass genau dies nun passiert.

Wolfgang Drechsler

, Closing Bell / Was macht