Was macht eigentlich…

Fulvio Pelli, ehemaliger Präsident FDP Schweiz

Fulvio Pelli verabschiedet sich am 6. März 2014 aus dem Parlament – Freund und Feind bedanken sich.

Er stand während rund zwei Jahrzehnten im Fokus schweizerischer Politik – als Nationalrat, Fraktionspräsident und Parteipräsident der FDP Schweiz: Fulvio Pelli. Der Anwalt aus Lugano (Jahrgang 1951) wird 1995 in den Nationalrat gewählt. Zuvor, von 1980 bis 1990, war er Mitglied des Gemeinderats von Lugano und von 1983 bis 1995 des Tessiner Kantonsrats.

Zum Zeitpunkt der Wahl Pellis in den Nationalrat hat die Polarisierung in der Schweizer Politik, als Folge der Abstimmung über den EWR-Beitritt, schon eingesetzt. Pelli erlebte die Politik damals «nicht immer als produktiv». Er wird rasch zu einer wichtigen Figur innerhalb der FDP.

Das schlägt sich 2004 in der Wahl zum Fraktionschef in der Bundesversammlung nieder. Nach Wirren an der Parteispitze wird Pelli 2007 zum Parteipräsidenten gewählt. Er ist eine treibende Kraft hinter der Fusion der FDP mit der liberalen Partei. Sie wird auf Anfang 2009 vollzogen, die Partei heisst neu FDP.Die Liberalen.

Pelli tritt 2014 als FDP-Präsident zurück und gibt auch sein Nationalratsmandat ab – er will Platz für jüngere Kräfte machen. Er zieht sich in seine Anwaltskanzlei in Lugano zurück, die er immer betrieben hat. Pelli blickt zufrieden auf seine politische Karriere zurück und bereut es auch nicht, dass es nie zu einer Bundesratskandidatur Pelli gekommen ist – die Konstellation habe nicht gestimmt. Er beobachtet die Politik nach wie vor sehr interessiert. Er bedauert es, dass sich die Polarisierung fortgesetzt und zum Teil gar akzentuiert hat: «Die Parteien suchen heute nur noch nach Profil statt Zusammenarbeit.»

Die Wahlen vom vergangenen Oktober interpretiert er letztlich als Bestätigung der Stabilität des Politsystems. Die Gewinne der grünen Parteien sieht er als Resultat von emotionalen Themen und Debatten. Ob sich das Ergebnis in vier Jahren wiederholt – dazu wagt er keine Prognose.

Sorgen macht ihm der internationale Trend hin zu mehr «Königtümern». Er meint Länder, in denen sich die Macht auf einzelne Personen konzentriert statt auf das Parlament. Da lobt er sich die Schweiz mit ihrem wohl komplizierten, aber sehr ausgewogenen System. «Die Schweiz geht langsamer, aber viel sicherer als andere Länder», bringt Pelli es auf den Punkt. Das System der Schweiz sei rechtsstaatlich bestens abgestützt und sei zudem ein effizientes System der Machtbegrenzung.

Nach dem Rückzug aus der Politik hat Pelli seine grossen Mandate in der Mobiliar (Verwaltungsrat) und als Präsident der Tessiner Kantonalbank zunächst weitergeführt. Er hat sie inzwischen aufgegeben. Er führt noch wenige kleinere Mandate und sitzt in einigen Stiftungsräten.

Ganz lassen kann er die Politik allerdings (noch) nicht. Pelli kandidiert noch einmal für die Legislative der Stadt Lugano. Er will mit seiner politischen Erfahrung zu der aus seiner Optik nötigen Erneuerung der Stadt wie auch der örtlichen FDP beitragen. Die Wahl findet am 5. April statt. Sollte er gewählt werden, will er sich während einer Legislatur einbringen.

Neben seinen beruflichen Tätigkeiten freut sich Pelli daran, mit seiner Frau oft auf Reisen zu gehen. Und er pflegt seine Fitness: Er fährt Rad – ohne elektrische Unterstützung. Er setzt sich jeweils ein Saisonziel: die Fahrt auf den Monte Generoso sowie auf den Gotthardpass über die alte Tremola-Strasse – nicht schlecht, für einen bald Siebzigjährigen.

 

, Closing Bell / Was macht

Leser-Kommentare