Was macht eigentlich…

Rudolf Scharping, Ex-Kanzlerkandidat

Scharping wurde dieses Jahr zum fünften Mal in Folge zum Präsidenten des Bunds deutscher Radfahrer gewählt.

Im Dezember könnte es soweit sein. Sofern die Koalitionsgespräche weiter fruchten, wird mit Olaf Scholz nach Gerhard Schröder wieder ein Sozialdemokrat Deutscher Bundeskanzler werden. Einer, der das in den Neunzigerjahren versucht hat und scheiterte, war Rudolf Scharping. Der in Vergessenheit geratene Politiker war Spitzenkandidat der SPD bei den Bundestagswahlen 1994. Er unterlag dann der vom späten Helmut Kohl angeführten Koalition aus CDU/CSU und FDP.

Dass der oft steif wirkende, mit wenig Charme ausgestattete Scharping zugunsten von Oskar Lafontaine und dem späteren Kanzler Gerhard Schröder aufgestellt wurde, war eine ungeschickte Wahl, zumal sich Lafontaine, Schröder und Scharping innerparteilich ständig rivalisierten. Das politische Rüstzeug hatte der 1947 im Dörflein Niederelbert bei Koblenz geborene Scharping aber unbestritten. Er ging in den Sechzigerjahren in die SPD, wurde Juso-Landesvorsitzender und war von 1991 bis 1994 Ministerpräsident des Bundeslandes Rheinland-Pfalz.

Jüngst mischte sich der alte Kämpfer in die politische Diskussion ein und gab der Aussage Konter, dass heutzutage Wahlkämpfe härter geführt würden als früher, insbesondere mit Blick auf die Kritik, die die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, einstecken musste. «Mimosen» seien nicht geeignet für ein hartes Klima, schrieb er in einem Beitrag in der «Zeit». In den Sechzigerjahren habe ebenso Feindseligkeit geherrscht, Autos mit SPD-Aufkleber seien von CDU-Anhängern mit Steinen beworfen worden. Auch im Wahlkampf gegen Kohl habe es richtige «Schweinereien» gegeben.

Nachdem der Kanzlertraum geplatzt war, legte Scharping seinen Job als Ministerpräsident nieder und wurde als Vorsitzender der SPD-Fraktion Oppositionsführer. Nachdem die Ära Kohl 1998 endete, wurde er als Verteidigungsminister ins erste Kabinett von Gerhard Schröder berufen. Dort agierte er zuerst unauffällig, dann glücklos. Und im Sommer 2001 brachte ein Skandal seine Karriere aus der Bahn. Die Illustrierte «Bunte» berichtete mit dem Aufmacher «Total verliebt auf Mallorca», wie Scharping mit seiner Geliebten Kristina Gräfin Pilati in einem Pool herumturtelte, während Bundeswehrsoldaten nach Mazedonien in den Auslandeinsatz geschickt wurden. Dieser «Badeunfall», die Nutzung von Luftwaffenjets für Privates und problematische Beraterverträge führten ein Jahr später zu seiner Entlassung aus der Regierung.

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2005 verliess Scharping die Politik und machte eine Passion zu einem Job: Er wurde Präsident des Bundes deutscher Radfahrer. Ein Amt, das der 73-Jährige bis heute bekleidet. Daneben profitierte er von seinen Verbindungen in die Politik und den Kontakten seiner Partnerin Gräfin Pilati, die er 2003 ehelichte. Sie verhalf ihm etwa zu Beratereinsätzen für die Schaeffler-Gruppe bei der Übernahme des Autozulieferers Continental. Er beriet aber auch das Private-Equity-Haus Cerberus; und ein finanzielles Engagement in eine Teakholzplantage in Costa Rica hat Scharping auch den Kontakten seiner Ex-Frau zu verdanken. Die beiden trennten sich 2016. Aber auch ohne Gräfin läuft’s. Vor Verlassen des Bundestags hatte er eine Beratungsfirma gegründet – RSBK. Diese unterstützt heute Unternehmen beim Markteintritt in China.

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