Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Märkte / Makro

Draghi: «Es gibt keine Limiten»

Tina Haldner
Die EZB signalisiert eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte nach der Zinssitzung, die Notenbank werde ihren Wirtschaftsausblick überprüfen und, wenn nötig, den geldpolitischen Kurs anpassen.

(Reuters) Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer ersten Zinssitzung im neuen Jahr die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März weit aufgestossen. «Mit dem Start des neuen Jahres haben sich die Risiken noch einmal verstärkt», sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Es sei daher notwendig, die bisherigen Massnahmen bis zur nächsten Zinssitzung zu überprüfen. «Es gibt keine Grenzen, wie weit wir bereit sind, unsere geldpolitischen Instrumente einzusetzen.» Den Schlüsselzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beliess die Notenbank unterdessen auf dem Rekordtief von 0,05%. Dort liegt der Satz bereits seit September 2014.

In Reaktion auf die Äusserungen des EZB-Präsidenten gab der Euro um mehr als einen US-Cent auf unter 1.08 $ nach. Der deutsche Leitindex Dax (DAX 12628.95 0.21%) zog mehr als 2% an. Auch der SMI (SMI 9031.96 -0.11%) gewann an Boden. Die Börsen zeigten sich allerdings volatil (lesen Sie hier mehr).

Die Unsicherheiten rund um die schwächelnden Schwellenländer hätten zugenommen, erklärte Draghi. Dazu kämen die Schwankungen an den Finanz- und Ölmärkten. Die EZB sei willens, alles innerhalb ihres Mandats zu unternehmen, um das Ziel einer Inflationsrate von knapp unter 2% zu erreichen. Im Dezember lag die Teuerungsrate in der Eurozone nur bei 0,2%.

Angesichts des Ölpreisverfalls haben sich die Inflationsaussichten für den Währungsraum seit Jahresbeginn kräftig eingetrübt. Öl hat sich seither um rund 25% verbilligt. Die Nordseesorte Brent (Brent 52.224 0.33%) sackte auf unter 28 $ pro Fass ab und notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit 2003. Die EZB war bei ihren jüngsten Inflations- und Konjunkturprognosen vom Dezember für dieses Jahr von einem Ölpreis von 52.20 $ ausgegangen.

Die Pressekonferenz im Live-Ticker:

(THA) 15.32
Die Pressekonferenz ist beendet.

15.30
Der EZB-Rat sei sich einig, dass das Inflationsziel von knapp 2% erreicht werden müsse und dass der Weg dahin nicht zu lange hinausgezögert werden dürfe. Daran würde auch das schwierige Marktumfeld nichts ändern. «Wir geben nicht auf», sagt Draghi.

15.29
Draghi ist zuversichtlich, dass sich im EZB-Rat eine Mehrheit finden wird, um die Geldpolitik weiter zu lockern, sollte das nötig sein. Das habe auch in den vergangenen vier Jahren funktioniert. Er betont noch einmal, dass das heutige Statement einstimmig beschlossen wurde.

15.24
Die Inflationserwartungen seien gesunken und seien wieder stärker mit dem Ölpreis korreliert. Das sei besonders gefährlich, und die EZB werde dagegen Massnahmen ergreifen.

15.20
Spanien habe signifikante Fortschritte bei seinen strukturellen Reformen gemacht, attestiert Draghi. Die sehr niedrige Inflationsrate erschwere diesen Prozess, weil die Abwertung gegenüber anderen Mitgliedländern dadurch wettgemacht werde.

15.08
Die Entwicklungen an den Energiemärkten können nicht ignoriert werden, sagt Draghi. Der Ölpreiseinbruch sei nicht kurzfristiger Natur und sei heftig ausgefallen. Der Preiszerfall könnte zudem eine negative Preisspirale auslösen. Das zeichne sich derzeit nicht ab, aber die Situation müsse sehr genau beobachtet werden.

15.05
Der schwache PMI und die Turbulenzen an den Devisen- und den Aktienmärkten hätten zu einer Kapitalflucht aus China geführt. Die Situation beruhige sich langsam. Dennoch seien die Effekte sichtbar, etwa an den Energiemärkten. Das wirke sich auch auf die Eurozone aus. Die chinesische Behörde gewinne langsam die Kontrolle zurück, sagt Draghi.

15.00
Es sei wichtig, sicherzustellen, dass das Bankensystem widerstandsfähig ist. Heute seien die Banken in besserer Verfassung als vor der Finanzkrise.

14.58
Es gebe derzeit keine Anzeichen, dass die Marktturbulenzen das Bankensystem destabilisieren, wie es etwa vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war. Die EZB beobachte die Lage aber genau.

14.56
Die EZB wolle alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen können, erklärt Draghi auf die Frage, ob beispielsweise auch Aktien auf dem Einkaufszettel stehen könnten. Die EZB müsse aber sicherstellen, dass es keine technischen Einschränkungen gebe, wenn sie ein Instrument in ihr Kaufprogramm aufnehme.

14.53
Die Glaubwürdigkeit der EZB würde angegriffen, wenn der geldpolitische Kurs nicht überprüft und an die Marktlage angepasst würde. Der EZB-Rat habe einstimmig für diesen Beschluss gestimmt. «Wir geben nicht auf im Bestreben, unser Mandat zu erfüllen. Das gilt vor allem in diesem Marktumfeld», sagt Draghi.

14.47
Draghi betont noch einmal, dass die EZB bereitstehe, alle nötigen Massnahmen zu ergreifen – innerhalb ihres Mandats –, um das Inflationsziel zu erreichen. «Es gibt keine Limiten», erklärt er. Auf die möglichen Massnahmen geht er nicht ein.

14.45
Draghi eröffnet die Fragerunde.

14.44
Draghi kündigt an, die geldpolitischen Massnahmen im März zu überprüfen und falls nötig anzupassen. Die Teuerung müsse angefacht und dem Zielwert von 2% angenähert werden. Das Einführungsstatement von Mario Draghi finden Sie hier.

14.41
Die Nachfrage nach Krediten sei gestiegen, getrieben durch die niedrigen Zinsen. Die geldpolitischen Massnahmen hätten die Kreditvergabe angekurbelt.

14.39
Dennoch würden die Abwärtsrisiken für die europäische Wirtschaft überwiegen. Die Inflationsrate dürfte bis weit ins kommende Jahr sehr niedrig bleiben. Die Auswirkungen der rekordniedrigen Teuerung müssten genau beobachtet werden.

14.37
Europas Wirtschaft habe im letzten Quartal 2015 an Schwung gewonnen. Die niedrigen Ölpreise dürften die Lage der Haushalte und der Unternehmen in den kommenden Monaten verbessern. Das Lohnwachstum habe zugenommen, sagt Draghi.

14.34
Die Abwärtsrisiken an den globalen Finanzmärkten seien gestiegen, sagt Draghi. Insbesondere der niedrige Ölpreis drücke auf die Inflationsrate der Eurozone. Es sei daher nötig, die Inflationsprognosen und die geldpolitischen Massnahmen am kommenden Meeting im März zu überdenken und, wenn nötig, anzupassen.

14.33
Mario Draghi erklärt, das Wertschriftenkaufprogramm schreite gut voran. Die geldpolitischen Massnahmen seien erfolgreich und hätten die Widerstandskraft der Eurozone gestärkt.

14.30
Die Pressekonferenz beginnt.

 

Hintergrund: 

(BEG) Was erwarteten die Märkte von der EZB?
Wohl niemand hatte die Ankündigung konkreter Massnahmen erwartet, weder eine weitere Senkung der Leitzinsen noch eine Aufstockung des Anleihenkaufprogramms. Eine Straffung der Geldpolitik steht schon gar nicht auf der Agenda. Um 13.45 Uhr gab die EZB bekannt, sie lasse die Leitzinsen unverändert.

Was wird Mario Draghi sagen?
Die Pressekonferenz startet um 14.30 Uhr. EZB-Präsident Mario Draghi wird seine Beurteilung zu den fundamentalen Entwicklungen und zu den Marktturbulenzen darlegen. Marktteilnehmer werden auf die Tonalität achten und versuchen, künftige Massnahmen des EZB-Rats zu prognostizieren.

Wie steht es um die Konjunktur?
Im Vergleich zur letzten EZB-Sitzung Anfang Dezember haben sich die Indikatoren für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone insgesamt mindestens bestätigt oder sind sogar leicht besser geworden. Ein unerfreuliches Signal kam allerdings von der leicht enttäuschenden Industrieproduktion vom November. Doch besonders die Umfrage unter Chefeinkäufern von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, zusammengefasst im Einkaufsmanagerindex (PMI), ist zuletzt erfreulich ausgefallen. Zudem scheinen die Banken ihre Bedingungen für die Kreditvergabe weiter zu lockern, und sie rechnen mit einer höheren Nachfrage nach Darlehen, wie die jüngste Erhebung der EZB zeigt.

Wie entwickeln sich die Inflationserwartungen?
Der Inflationsausblick hat sich vor allem wegen der gefallenen Ölpreise aus Sicht der EZB eingetrübt. Die marktbasierten langfristigen Inflationserwartungen sind von 1,8 auf knapp 1,6% zurückgegangen, stellen die Ökonomen von UniCredit (UCG 15.87 -4.34%) fest. In kürzeren Laufzeiten sind die Erwartungen kollabiert, der Einjahresinflationsswap ist um 0,75 Prozentpunkte auf nur noch 0,03% gesunken. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter 2% an, was Draghi seit längerem immer wieder betont und womit er die expansiven Massnahmen der EZB begründet.

Wie entwickelt sich die Inflation?
Im Dezember rechnete die EZB für das Jahr 2016 noch mit einer Teuerung von 1%. Nun prognostizieren die Ökonomen von HSBC (5 674.9 0.78%) Trinkaus eine Inflationsrate von lediglich 0,1%. Im Frühling drohe bereits wieder ein Rückfall in den negativen Bereich.

Reagiert die EZB auf die fallenden Ölpreise?
Für die Eurozone ist günstiges Rohöl willkommen, sie ist ein Importeur. Negativ sind die mit dem Ölpreisverfall verbundenen Marktturbulenzen und die Furcht vor einer weltweiten Wachstumsschwäche. Der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, äusserte zuletzt, dass der Rückgang des Ölpreises die Inflation nicht nur temporär, sondern nachhaltig drücken werde. Wenn das zutrifft, könnte die EZB mit einer noch expansiveren Geldpolitik reagieren, und Draghi dürfte sich heute dahingehend äussern. Vorerst werden aber keine konkreten Massnahmen erwartet.

Welche Massnahmen wird die EZB künftig treffen? 
Fällt die Inflation wieder unter null, dürfte der Druck auf die EZB grösser werden. HSBC Trinkaus rechnet für die kommenden Monate mit einer weiteren Reduzierung des Einlagenzinses um 0,1 Prozentpunkte auf –0,4%. Die EZB werde vermutlich auf eine Zinssenkung setzen und nicht auf eine Ausweitung der monatlichen Anleihenkäufe. Es bestehe die Befürchtung, dass eine Erhöhung der Käufe die Liquidität im Staatsanleihenmarkt beeinträchtige.

Was würde das für die Schweizerische Nationalbank bedeuten?
Die SNB (SNBN 1931 0.84%) hat ein Interesse daran, dass die Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken nicht kleiner wird. Schwindet der Zinsnachteil des Frankens am Geldmarkt, könnte das den Franken stärken und den Wechselkurs herabdrücken. Die SNB könnte dann den Leitzins noch weiter ins Negative herabsetzen. Derzeit notiert der Franken-Euro-Kurs auf 1.0955 Fr./€.