Märkte / Aktien

Washington attackiert Pharmasektor

Die Demokraten fordern eine Untersuchung gegen überhöhte Preise des Medikamentenherstellers Valeant. Heftige Kursrückschläge im Pharmasektor drückten die US-Börsen am Montag tief ins Minus.

Christoph Gisiger, New York

Wallstreet ist mit deutlichen Kursabgaben in die Woche gestartet. In New York schloss der S&P 500 (SP500 3128.21 -3.03%) am Montag auf dem tiefsten Stand seit dem Einbruch von Ende August. Gemessen am Rekordhoch vom Mai hat der US-Leitindex damit rund 12% verloren und notiert seit Anfang Jahr insgesamt fast 9% im Minus.

Für Nervosität unter Anlegern war zunehmende Angst um den Rohstoffriesen Glencore verantwortlich. Ausserdem sorgten erneut Nachrichten aus dem Gesundheitssektor für Druck auf die Aktienkurse.

Vertreter der Demokratischen Partei im Repräsentantenhaus fordern eine parlamentarische Untersuchung gegen Valeant Pharmaceuticals. Sie verlangen vom Unternehmen Dokumente, mit denen es die frappante Preiserhöhung für zwei Medikamente erklären soll. Zudem wollen sie Valeant-Chef Michael Pearson (PSON 578 -0.79%) zu einem Hearing nach Washington zitieren.

Konkret geht es um zwei Herzpräparate, deren Patente Valeant im Zug einer Übernahme erworben hat. Am Tag, an dem die Akquisition vollzogen wurde, erhöhte der Konzern die Preise für die beiden Arzneimittel gemäss dem «Wall Street Journal» um 525 respektive 212%.

Die Aktien von Valeant verloren am Montag fast 17%. Der Angriff folgt wenige Tage nachdem sich Hillary Clinton den Kampf gegen die wachsenden Kosten in der US-Gesundheitsbranche auf die Fahnen geschrieben hat. In einer Rede im Bundesstaat Iowa kündigte die demokratische Präsidentschaftskandidatin vergangene Woche an, sie werde den rasanten Anstieg der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente stoppen.

Die politischen Attacken verunsichern Investoren. Unter Druck gerieten zu Wochenbeginn vor allem Biotech-Aktien wie Gilead (GILD 70.1 -3.84%) Sciences, Amgen (AMGN 210.38 -3.44%) und Biogen (BIIB 324.11 -0.57%). Der Nasdaq Biotechnology (Nasdaq Biotechnology 3674.173923 -2.33%) Index verlor am Montag 6%. Er hat seit dem Rekordstand vom 20. Juli mehr als 25% eingebüsst, was an der Börse als Bärenmarkt bezeichnet wird.

Erhebliche Einbussen erlitten ebenso die Valoren von grossen Pharmakonzernen wie Pfizer (PFE 33.93 -2.13%), Bristol-Myers (BMY 62.14 -2.86%) Squibb und Eli Lilly (LLY 135.41 -1.98%). Auch in der Schweiz hinterlassen die politischen Diskussionen in den USA Spuren. Die Pharmawerte Actelion, Novartis (NOVN 85.36 -1.64%) und Roche (ROG 320.75 -2.83%) sind am Dienstag schwach gestartet.