Meinungen

Weg damit

Der Bundesrat unterstützt die Pläne, den Eigenmietwert zu kippen. Der Schritt ist zu begrüssen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Dass fiktives Einkommen einfach so zum normalen Einkommen hinzugerechnet wird, ist ein Unding.»

Der Eigenmietwert muss endlich fallen. Das sieht auch der Bundesrat so. Er hat diese Woche nicht nur entschieden, die Vorlage der Wirtschaftskommission des Ständerats zu unterstützen, sondern er geht einen Schritt weiter. Er will, anders als die Kommission, auch den Eigenmietwert auf Zweitliegenschaften abschaffen und fordert, dass Schuldzinsen unter bestimmten Bedingungen weiterhin von den Steuern abgezogen werden dürfen. Ein mutiger Schritt.

Dass fiktives Einkommen einfach so zum normalen Einkommen hinzugerechnet wird, ist ein Unding. Dennoch ist die Abschaffung drei Mal an der Urne und noch öfter im Parlament gescheitert. Das System ist ein Anreiz zum Schuldenmachen. Wer seine Hypothek tilgt, wird bestraft. Ein weiterer Effekt: Eigenheimbesitzer müssen sich nach der Pensionierung Sorgen um den Eigenmietwert machen. Manch einer muss verkaufen, worauf er sein ganzes Leben gespart hat.

Wussten Sie, warum der Eigenmietwert eingeführt wurde? 1915 als einmalige Kriegssteuer, um Zollerträge zu kompensieren. Nach der Weltwirtschaftskrise führte der Bundesrat die Steuer 1934 erneut ein: per Notrecht als Krisenabgabe zur Gesundung des Bundeshaushalts, notabene befristet bis 1938. Dann wurde sie verlängert und nochmals verlängert, 1958 dann wurde sie zum Gesetz.

Ja, es gibt durchaus Nachteile. Das Baugewerbe dürfte weniger Aufträge zum Umbau und zum Unterhalt an Land ziehen, und das Hypothekarvolumen der Banken dürfte zurückgehen. Zudem würden, wie vom Mieterverband immer wieder ins Feld geführt, die Steuereinnahmen sinken. Doch einerseits sind die Ausfälle geringer als oft behauptet. Andererseits reicht das nicht aus, um diese grobe Ungerechtigkeit bestehen zu lassen.

Leser-Kommentare

Sibyl Kade 27.08.2021 - 21:27
Ich stimme Ihnen hundertprozentig zu. Unding ist noch sehr freundlich ausgedrückt. Es ist eine regelrechte (sorry) Verarsche, an alle, die etwas sparen und sich davon Eigenheim kaufen. Zuerst zahlt man Einkommenssteuer, dann Vermögenssteuer, später Eigenmietwert und wenn man etwas geschenkt bekommt oder verschenkt, auch noch Schenkungssteuer. Glücklich oder gesegnet sind somit die, die ihr Geld zum Fenster rausschmeissen, sich allerlei… Weiterlesen »
John Feigl 28.08.2021 - 08:55
Hallo Herr Schwalbe – Sie schreiben: „ Ja, es gibt durchaus Nachteile. Das Baugewerbe dürfte weniger Aufträge zum Umbau und zum Unterhalt an Land ziehen, und das Hypothekarvolumen der Banken dürfte zurückgehen. Zudem würden, wie vom Mieterverband immer wieder ins Feld geführt, die Steuereinnahmen sinken. Doch einerseits sind die Ausfälle geringer als oft behauptet.“ Wenn der Eigenmietwert – c.p. –… Weiterlesen »