Das Räuchermännchen als Seuchenmännchen: Die Drechsler im sächsischen Erzgebirge, deren charmantes Kunsthandwerk eine Tradition von über zwei Jahrhunderten hat, sind pfiffig und flink, wenn es um das zeitgemässe Auffrischen des Sortiments geht. Das Holzkerlchen hier hält sich, sozial verantwortungsbewusst, ans Vermummungsgebot – es ­ähnelt, scheint’s, einem deutschen Virologen; kein Wunder, raucht ihm derzeit der Kopf. Die Virenkundler sind eine Gilde, die unversehens von stillen Labors in gleissende Fernsehstudios gezerrt wurde und nunmehr im Abendland die halbverhüllten Orakel unserer Tage zu stellen hat. Ihrem Rat, gleich einem Stern am finsteren Nachthimmel, folgen die machtlosen Mächtigen, ihre unfrohe Botschaft vernimmt das verängstigte Volk, ihr Mahnen weckt Willfährigkeit hier, Unwillen da. Wenn wir zu Weihnachten von Myrrhe und Weihrauch zwar der tückischen Aerosole wegen nicht ­singen sollen – das wird eine stille Nacht –, ist wenigstens besinnliches Schnüffeln unbedenklich. Ein Verseschmied aus dem Erzgebirge reimt dazu: «Es gaukeln süsse Düfte in Schwaden um ihn her. Verzückt geblähte Nasen, bei Gott, die liebt er sehr.» Poetisch schwach, aber doch ein Trost.
(Bild: Hendrik Schmidt/Keystone)