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Weiss Paris um seine Perle Sanofi?

Die linke französische Regierung fährt einen riskanten Konfrontationskurs mit dem Pharmariesen Sanofi. Aktien locken trotz des Politgerangels zum Einstieg. Neue Medikamente versprechen viel.

Dominik Feldges

Der gemessen an der Marktkapitalisierung drittgrösste europäische Pharmakonzern nach Roche (ROG 299.70 -0.97%) und Novartis (NOVN 80.92 -1.22%), Sanofi, hat ein gespanntes Verhältnis zu seinem Heimatland Frankreich. Am Wochenende hiess es in der französischen Sonntagspresse, Chief Executive Officer Christopher Viehbacher habe einen Umzug nach London oder in die USA zur Diskussion gestellt, sei jedoch am Veto von Verwaltungsratspräsident Serge Weinberg gescheitert. Sanofi dementierte eilends die Spekulationen mit dem Hinweis, durch den Bezug neuer Räumlichkeiten im zentralen achten Pariser Arrondissement ihre Verbundenheit mit Frankreich unter Beweis gestellt zu haben.

Vollkommen wohl scheint sich der mit 90,6 Mrd. € bewertete Koloss im Hexagon (HEXA B 709.60 +0.42%) aber gleichwohl nicht zu fühlen. Darauf deutet nicht nur die Ende September angekündigte Reduktion des französischen Personalbestands um 900 von 28’000 Stellen gegen den Widerstand von Industrieminister Arnaud Montebourg. Viehbacher verknüpfte den Abbbau, der vor allem Forschungslabors in Toulouse und Montpellier trifft, mit der Klage, Sanofi habe in Frankreich seit Jahren keine umsatzträchtigen Medikamente mehr hervorgebracht. Wie allen französischen Grossunternehmen dürfte Sanofi zudem die von der neuen sozialistischen Regierung verordnete Besteuerung von Einkommen über 1 Mio. € zum Spitzensatz von 75% sauer aufstossen.

Nur Total ist grösser

Im Börsenindex Cac40, der die vierzig höchstkapitalisierten französischen Unternehmen umfasst, wird Sanofi von der Gewichtung her nur vom Erdölriesen Total (FP 36.42 -0.79%) übertroffen, wobei sich die Unternehmen seit geraumer Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Die Sanofi-Aktien machen 12,4% und die Titel von Total 12,6% des gesamten Indexgewichts aus. Frankreich ist dementsprechend auch mit Blick auf seinen Aktienmarkt gut beraten, Sorge zum Schwergewicht Sanofi zu tragen. Ein Wegzug ins Ausland wäre aller Wahrscheinlichkeit auch mit einer Verlegung des Kotierungsstandorts verbunden, was die Börse und den Finanzplatz in Paris schwer treffen würde.

Die Aktionäre von Sanofi braucht all das weniger zu kümmern. Eine Kotierung in London oder New York würde nichts an der Bewertung des Unternehmens ändern, die trotz eines für den Pharmasektor überdurchschnittlichen Kursgewinns der Sanofi-Titel von 20% seit Anfang Jahr nach wie vor Spielraum nach oben bietet.

«Licht am Ende des Tunnels»

Sanofi leidet zwar unter dem Wegfall des Umsatzrenners Plavix, der im Mai den Patentschutz verlor. Doch eine vielversprechende Pipeline an neuen Medikamenten unter anderem für die Behandlung von Darmkrebs und Multipler Sklerose sowie stark wachsende Aktivitäten in Schwellenländern verschaffen dem Unternehmen eine aussichtsreiche Position. Viehbacher brachte es vorletzte Woche während der Präsentation der besser als erwartet ausgefallenen Drittquartalszahlen auf den Punkt: «Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.»