Zehn Monate sind vergangen, seit Minenaktien an dieser Stelle behandelt wurden. Die Gewichtung von Metals & Mining im MSCI Welt ist seither um 16% gestiegen. Das entspricht der Überrendite zum Weltindex seit Mitte Juli 2017. Dahinter stehen Kursgewinne von Rohstoffaktien wie Anglo American (+59%), Antofagasta (+23%), BHP (+30%), Glencore (+20%) und Rio Tinto (+24%), während die besten Goldminentitel sich kaum bewegten und  die schwächsten deutlich verloren. Der NYSE Gold Miners Index legte in derselben Zeit nur 2,5% zu.

Relative Stärketrends halten sich in der Regel lange. Sie enden wie Kurstrends, entweder in einer zeitraubenden trendlosen Volatilität (Typ 1) oder in einer massiven Beschleunigung des Momentums (Typ 2) – allenfalls in einer Kombination von Typ 1 und Typ 2. Aus meiner Warte werden Rohstoffaktien weiterhin relativ stark bleiben und positive Kurstrends aufweisen. Zu den Favoriten gehören die genannten Titel. Wie es sich für gute Trends gehört, werden sie immer wieder Konsolidierungsphasen durchmachen.

Wer erklärt die Welt?

Wie üblich werden dabei viele Anleger  kalte Füsse bekommen und Gewinne realisieren. Das wird so lange falsch sein, als sich keine Trendwendesignale einstellen. Gerade in dieser von Konjunktur und zum Teil auch geopolitischen Entwicklungen abhängigen Industrie wird die Versuchung besonders bei einer Konsolidierung gross sein, etwas zu tun, was wir sehr schlecht können: die Welt zu erklären. Genau dafür sind Märkte da. Sie tun das permanent und meist besser als jede einzelne Person und jedes einzelne Team.

James Surowiecki hat in seinem Buch «The Wisdom of Crowds» dem Mehrheitenwissen ein Kränzchen gewunden. Wie oft wurde schon gesagt, an der Börse müsse man sich gegen die Masse positionieren? Das gilt nur dann, wenn die Masse zum Mob wird, wie in Rohstoffaktien vom November 2015 bis Januar 2016, als eine klassische Typ-2-Trendwende stattfand.

Die Gleichgewichtsfrage

Vertiefter als Surowiecki zeigte Friedrich von Hayek, dass in der Marktwirtschaft tradierte, gelehrte, erlernte und unterbewusst vorhandene Wissensfragmente durch das Preissystem zu einem grösseren Konstrukt transformiert werden, das entdecken lässt, welche Annahmen in Richtung eines Gleichgewichts führen – eines Gleichgewichts, das im Markt gesucht, selten jedoch vollständig erreicht und nie lange aufrechterhalten wird. Märkte sind Menschenwerk. Was Menschen erwirken, kann versagen.

Dass es Staatsversagen gibt, bestreitet kein Liberaler. Allerdings wollen viele nicht zugeben, dass es auch ein Marktversagen gibt. An den Finanzmärkten tritt es in Form spekulativer Blasen in Erscheinung, die als Kombination von extremen Bewertungen mit Sorglosigkeit und einer sehr starken Beschleunigung des Kursmomentums in Erscheinung treten. Das entspricht Typ-2-Trendwenden, die ich wegen ihrer unübersehbaren Intensität als Brennpunkte bezeichne.

Industrie- und Sektortrends beginnen und enden meist in Brennpunkten. Typ 1 hingegen ist in breit aufgestellten Indizes wie S&P 500 und DJ Stoxx Europe 600 vorzufinden, als Ergebnis davon, dass in der Endphase von Baisse oder Hausse wenige Sektoren massive Momentum-Abweichungen (Typ 2) von der Mehrheit der Sektoren aufweisen. Metals & Mining ist nicht in einem Brennpunkt.

Leser-Kommentare