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Am 5. Fund Experts Forum der «Finanz und Wirtschaft» gaben Finanz- und Politikexperten aus dem In- und Ausland Einblick in ihr Denken.
Was ist bloss los mit der Weltwirtschaft? Diese Frage stellte Adair Lord Turner zum Auftakt des fünften Fund Expert Forum der «Finanz und Wirtschaft» vor 200 Teilnehmern im Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon. Der ehemalige Präsident der britischen Finanzmarktaufsicht und  Chairman des Institute for New Economic Thinking sieht die Hauptursache für das blutleere Wachstum in den vergangenen Jahren im Schuldenüberhang, der seit der Finanzkrise von 2008 auf der Weltwirtschaft lastet.

Lord Turner warnte davor, die seit Herbst 2016 leicht steigenden Zinsen und Inflationsdaten als Boten einer Trendwende zu werten. Amerika erlebe seit der Wahl von Donald Trump ein «Zuckerhoch», das kaum anhalten werde, und China habe bloss einmal mehr die Wirtschaft mit schuldenfinanzierten Infrastrukturinvestitionen stimuliert.

Zwei Politgrössen Europas, Joschka Fischer und José Manuel Barroso, referierten über die Zukunft der EU und des Euro. «2016 war ein fundamentaler Richtungswechsel», mahnte der frühere deutsche Aussenminister, «die USA haben beschlossen, sich auf sich selbst zurückzuziehen, und die Briten wenden Europa den Rücken zu.» Barroso wie auch Fischer unterstrichen die Notwendigkeit, dass Deutschland jetzt zusammen mit Frankreich eine neue, visionäre Führungsrolle für Europa einnehmen müsse. «Ein Gespann aus Emmanuel Macron und Angela Merkel wäre eine echte Chance für den Neuanfang», sagte Fischer und warnte: «Ein Sieg von Marine Le Pen am 7. Mai wäre dagegen der Super-GAU.»

Barroso, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission und heute Berater von Goldman Sachs (GS 220.28 -0.07%), räumte ein, dass die Europäische Währungsunion langfristig nur eine Überlebenschance habe, wenn sie auch in eine Form von Fiskalunion eingebunden sei.

In einem Panelgespräch über Anlageperspektiven sagte Alfred Gantner, Mitgründer von Partners Group (PGHN 584 -0.6%), dass das Niedrigzinsumfeld enorm viel Kapital in Private-Equity-Anlagen leite und die Preise in die Höhe treibe. Trotzdem sieht er weiterhin Chancen für Investoren, vor allem mit langfristig ausgerichteten Infrastrukturprojekten. Zudem sei er sehr bullish für das britische Pfund. «Ich kaufe bei jeder Schwäche», sagte Gantner.

Klaus Hommels, Gründer von Lake Star und ein führender Risikokapitalgeber Europas, sieht keine Preisblase im Segment für Venture Capital, wies aber darauf hin, dass junge Technologiefirmen heute viel später und zu viel höheren Bewertungen an die Börse kommen als früher. Einblicke in ihre Anlagestrategie gaben auch Michael Strobaek, Chief Investment Officer der Credit Suisse (CSGN 13.6 -1.02%), und Christoph Schenk, CIO der Zürcher Kantonalbank.

Drei Monetärökonomen, Dietrich Domanski von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sowie die Professoren Jean-Pierre Danthine und Peter Bofinger, warnten vor einem erneuten Überhitzen der Finanzzyklen. «Die ökonomische Lehre hat noch nicht begriffen, welch entscheidende Rolle der Geldschöpfungsmechanismus der Banken auf die reale Wirtschaft ausübt», sagte Bofinger.

Für einen komplett anderen Blick auf die Welt sorgte Bertrand (BDT 97 1.84%) Piccard, der als Ballonpionier sowie als Visionär und Pilot des Solar-Impulse-Projekts darüber sprach, was es bedeutet, das Unmögliche zu wagen. «Folgen Sie nicht den Menschen, die voller Überzeugung auftreten. Umgeben Sie sich mit Menschen, die mit Zweifel und mit Fragen durch die Welt gehen», sagte Piccard. «Lehren Sie Ihre Kinder nicht die Antworten, lehren Sie sie das Fragen. Denn im Zweifel liegt der Funke zur Kreativität.»