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Blogs / Momentum 11:54 - 26.01.2017

Welche Aktien vom Ende des Freihandels profitieren

Alexander Trentin
Die Globalisierung wird zurückgerollt. Viele Unternehmen würden darunter leiden. Doch manche könnten gewinnen.

Mit einem US-Präsidenten, der bestehende und geplante Freihandelsabkommen bekämpft, wird der Protektionismus hoffähig. Schon seit einigen Jahren wächst der Welthandel deutlich langsamer.

Doch nun wird ein Szenario diskutiert, das vielen Ökonomen Albträume beschert: das Ende der Globalisierung.

Credit Suisse (CSGN 15.71 2.68%) hat sich ausgemalt, wie dieses Extremszenario aussehen könnte. Handelsschranken, Währungskriege, militärische Zusammenstösse und Vorbehalte gegen globale Unternehmen – so beschreiben die Analysten dieses Szenario.

Szenario: Ende der Globalisierungzoom

Für international ausgerichtete Unternehmen wäre das ein brutaler Schlag. Aktionäre hätten wohl wenig zu lachen.

So sind in den USA besonders Technologiegesellschaften direkt mit asiatischen Lieferanten und Kunden verknüpft. Mit Einschränkungen des Handels zwischen Asien und den USA wäre der bisherige Ablauf für Produktion und Verkauf kaum möglich.

Die untere Tabelle von Morgan Stanley (MS 44.37 0.23%) zeigt US-Unternehmen, die mehr als 70% ihres Umsatzes in Asien erwirtschaften. Für in den USA kotierte Gesellschaften beträgt der Anteil des Umsatzes in Asien im Durchschnitt 12%.

Neben Chipherstellern (Semiconductors) sind Transportunternehmen und der Kasinobetreiber Las Vegas Sands stark betroffen.

US-Unternehmen mit hohem Umsatz in AsienzoomQuelle: Morgan Stanley

Bei den Lieferketten sind mehr Branchen auf den freien Handel angewiesen. So sind in den USA etwa die Autohersteller Tesla und General Motors (GM 34.38 1.15%) bei sechzehn ihrer zwanzig grössten Zulieferer auf ausländische Unternehmen angewiesen. Auch Apple (AAPL 143.68 -0.59%) und Ford (F 11.59 -0.43%) setzen auf Lieferungen aus dem Ausland.

Ausländische ZuliefererUS-Firmen geordnet nach Anzahl ausländischer Unternehmen unter den zwanzig grössten Zulieferern.zoomQuelle: Morgan Stanley

Doch wie kann man sich gegen den Protektionismus schützen? Credit Suisse schlägt dafür eine Strategie vor, die sich ganz auf defensive Titel konzentriert. «Unter diesem Szenario gelten binnenmarktorientierte Unternehmen mit solidem Cashflow und stabiler Dividende als die attraktivsten», schreiben die CS-Analysten.

Die USA seien dabei noch besonders gut aufgestellt – der Fokus auf das Inland würde den Aktienmarkt insgesamt schützen. Europa hätte viel mehr zu leiden.

Die untenstehende Tabelle zeigt die von Credit Suisse empfohlenen Titel im Szenario «Ende der Globalisierung» nach Märkten und Sektoren.

In der Schweiz wäre nur Swiss Life (SLHN 334.8 0.21%) kaufenswert. In Europa sollten laut den CS-Analysten von der Wohlstandseinbusse durch den verlorenen Handel Billiganbieter wie die Fluggesellschaft Ryanair (RYA 15.66 -0.63%) und die Warenhauskette B&M European Value Retail profitieren.

Auch die Supermarktkette Sainsbury, der deutsche Telekommunikationsanbieter Freenet (FNTN 29.385 0.44%) und der spanische Versorger Endesa seien für das Szenario gut aufgestellt.

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Noch gibt es keine Anzeichen, dass der Aktienmarkt mit einem Ende der Globalisierung rechnet.

Der Leitindex S&P 500 (SP500 2387.45 -0.05%) hat seit der Wahl Donald Trumps 7,4% zugelegt. Dagegen sind die Kurse der US-Titel im Transportgewerbe 16,3% und in der Halbleiterindustrie 10,4% gestiegen.

Das Versprechen von mehr Wirtschaftswachstum scheint die Angst vor Protektionismus bisher aufzuwiegen.

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