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Welche Länder die Abkühlung in China am härtesten trifft

Das Ende von Chinas Investitions-Boom setzt den Metallexporteuren in Lateinamerika und Afrika besonders zu.

Peter Rohner

Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich. Nachdem bereits der Einkaufsmanagerindex von HSBC (5 359.10 -0.92%) vor drei Monaten in die Kontraktionszone gerutscht ist, bestätigen auch die neusten Aussenhandelszahlen die nachlassende Dynamik. Im Juni schrumpften die Exporte zum Vorjahr 3,1%, und die Importe fielen um 0,7%. Unter Berücksichtigung saisonaler Effekte sind die Exporte zum Vormonat um mehr als 7% eingebrochen, die Importe um fast 6%.

exportimport

Quelle: Capital Economics

Es sieht ganz so aus, als meinte es Peking nun ernst mit der Umstellung von einem investititonsgetriebenen Wachstumsmodell auf eine mehr auf den Konsum ausgerichtete Wirtschaft (Rebalancing). Ein stabiles Finanzsystem und mehr qualitatives Wachstum sind der Führung wichtiger als eine weitere Zunahme der Kreditvergabe und hohe Wachstumsraten auf Biegen und Brechen. Das hat auch die gelassene Reaktion auf die rasch steigenden Zinsen am chinesischen Interbankenmarkt Ende Juni gezeigt.

Der Grossteil der Welt könnte gut mit etwas weniger, dafür stabilem Wirtschaftwachstum in China leben, falls das Rebalancing ohne Friktionen gelingt. Doch der Rückgang des Investitionswachstums würde vor allem einige rohstoffexportierende Schwellenländer hart treffen, denn Chinas Wachstumswunder der vergangenen zehn Jahre war äusserst ressourcenintensiv. Der Investitionsboom war der Hauptgrund für die enorme Nachfrage nach Kupfer, Eisenerz und Stahl.

Es werden deshalb diejenigen Länder leiden, die bisher China mit diesen Metallen beliefert haben. Dazu gehören Chile, Südafrika, Peru und Sambia. Die Grafik zeigt, welche Länder wie viel von welchen Rohstoffen nach China exportieren.

Exporte nach China
Quelle: Capital Economics

In Sambia (Zam) beispielsweise entfallen rund 14% des Bruttoinlandprodukts auf Exporte nach China. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Metalle, vorab Kupfer. In Chile (Chl) entfallen rund 7% des BIP auf Exporte nach China, ebenfalls hautsächlich Kupfer. Auch Südafrika (SA) kommt auf knapp 7%.

Obschon Angolas Exporte nach China fast ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmachen, dürfte das Land weniger stark von einer nachlassenden Investitionstätigkeit in China betroffen sein. Wie Saudi-Arabien exportiert Angola hauptsächlich Erdöl nach China, die Nachfrage nach Enerige dürfte aber weniger stark leiden als die nach Industriemetallen. Zudem haben diese Länder grosse Leistungsbilanzüberschüsse und könnten einen Rückgang der Exporte besser wegstecken.

Einen weiteren Blogeintrag zum Effekt nachlassender Investitionen in China auf andere Länder finden Sie hier.