Meinungen

Welche Stagnation?

Der Begriff Stagflation ist in aller Munde. Vergleiche mit den Siebzigerjahren sind jedoch nicht angebracht. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Die Finanzen der Haushalte haben selten so gut ausgesehen wie jetzt, und die Nachfrage ist stark.»

Wie so oft wussten es viele Experten schon lange. Sie hielten sich mit den Warnungen eben auch nur lange zurück. Dass der Anstieg der Inflation nicht ganz so vorübergehender Natur sein würde, war klar, so klingt mittlerweile der Tenor der «Research Community». Der Wind dreht halt schnell, wenn man von Fakten überholt wird.

Auch die Medien stürzen sich auf Begriffe wie Stagflation. Schliesslich kann jeder Bürger die Energiekrise am eigenen Leib erleben. Dennoch würde man sich einen sorgfältigeren Umgang mit aufgeladenen ökonomischen Begriffen wünschen, die Autorin nimmt sich da nicht aus.

Denn Stagflation ist ein zusammengesetztes Wort, aus Stagnation und Inflation, und beschreibt ein selbsttragendes Phänomen, das primär in den Siebzigerjahren, zu Zeiten der Ölkrise, stattfand. Dabei ergeben Stagnation der Wirtschaftsaktivität, anhaltend hohe Inflation und steigende Arbeitslosigkeit ein ungutes Gemisch.

Doch der Kontrast zur heutigen Situation ist deutlich. Denn die weltweite Nachfrage ist stark, die Arbeitslosenraten sinken, und die Wachstumsprognosen implizieren zwar die aktuelle Verlangsamung der Konjunktur, doch ab 2022 soll es wieder aufwärtsgehen. Tatsache ist auch, dass die Finanzen der Haushalte selten so gut ausgesehen haben. Die Ersparnisse sind hoch.

Inflationsängste sind berechtigt. Selbst der granularste Kaffeesatz hätte eine Verdreissigfachung des Erdgaspreises nicht vorausgesagt. Ziehen die Lohnforderungen der Arbeitnehmer an, ist eine leichte Lohn-Preis-Spirale nicht mehr auszuschliessen. Wichtig ist, dass jetzt das Vertrauen der Marktakteure erhalten bleibt.

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