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Welche US-Aktien durch Protektionismus verlieren

Niedrige Steuern, weniger Regulierung: Aktien reagieren erfreut auf Trumps Wirtschaftspolitik. Doch neue Importsteuern würden bestimmte US-Titel leiden lassen.

Alexander Trentin

US-Präsident Donald Trump will die Steuern in den USA senken und die Regulierung abbauen. Doch in einem Bereich sind neue Abgaben zu erwarten: bei den Einfuhren in die USA.

Das Versprechen niedrigerer Abgaben ist aber wohl ein grosser Treiber des Aktienbooms nach dem Wahlsieg von Trump.

Die Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 20% würde einen Kursgewinn des S&P 500 von 10% rechtfertigen, meint etwa Barclays.

Damit hat der US-Leitindex schon einen Grossteil der Gewinne durch Steuersenkungen seit der Wahl von Donald Trump vorweggenommen.

Neben Zöllen auf Einfuhren aus China und Mexiko ist nun eine völlig neue Steuer im Gespräch.

Sie nennt sich Border Adjustment Tax – Grenzausgleichssteuer – und ist etwas komplizierter als ein reiner Zoll. Republikanische US-Abgeordnete wollen damit die Exporte aus den USA fördern und Einfuhren bestrafen.

Worum geht es?

Die Border Adjustment Tax funktioniert anders als ein einfacher Einfuhrzoll, denn Einfuhren wie auch Ausgaben eines Unternehmens würden die Steuerlast bestimmen.

US-Präsident Donald Trump bevorzugt einfache Importzölle. Republikaner unter der Führung von Paul Ryan, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, haben dagegen die kompliziertere Steuer vorgeschlagen.

Die Ausgaben für importierte Güter und Komponenten könnten dann nicht mehr als Aufwendungen von der Unternehmenssteuer abgesetzt werden. Dagegen müsste auf den Gewinn aus Exportgeschäften keine Steuer mehr bezahlt werden.

Es gibt Ähnlichkeiten zur Mehrwertsteuer; eine solche gibt es in den USA nicht. Mehrwertsteuern fallen auf Importe, aber nicht auf Exporte an.

Ein Steuersatz von 20% ist im Gespräch.

Sinkt die Steuerlast für US-Unternehmen trotzdem?

Insgesamt ja. Nach den Plänen der Republikaner würde die Unternehmenssteuer von 35 auf 20% gesenkt werden. Nach Berechnungen des Tax Policy Center würde die Grenzsteuer über einen Zeitraum von zehn Jahren etwa die Hälfte der Steuersenkung zunichtemachen.

Die Grenzsteuer würde Aufwendungen von 1,18 Mrd. $ verursachen. Insgesamt würden die Unternehmen wohl trotzdem um 892 Mrd. $ über zehn Jahre entlastet werden.

Kommt die neue Steuer sicher?

Nein, und auch der Zeitraum der Umsetzung ist alles andere als festgezurrt. Gemäss Analysten von Barclays sind die nötigen Umstellungen in der Industrie zu gross, als dass die Grenzsteuer direkt eingeführt wird. Wohl nicht nur Trump wird sie als zu kompliziert betrachten.

Gemäss Barclays könnte man die Steuer wahrscheinlich in mehreren Phasen einführen, um Anpassungen bei den Unternehmen zu erlauben.

Wer profitiert, wer leidet?

Sektoren mit einem hohen Exportgrad könnten ihre Steuerlast senken. Je mehr ein Unternehmen dagegen importiert, umso schlechter wären die Steuerpläne für den Gewinn.

Im S&P 500 haben Gesellschaften der Sektoren Kapitalgüter (Maschinenbau), Halbleiterindustrie (Semis), Nahrungsmittel und Getränke (Food, Beverages & Tobacco) sowie Baustoffe (Materials) einen hohen Exportgrad.

Dagegen sind der zyklische Konsum und Kleidung (Consumer Durables & Apparel) sowie der Einzelhandel (Retailing) grosse Nettoimporteure.

Unter einem besonders grossen Risiko steht gemäss Barclays der Einzelhandel. Dort wird besonders viel importiert. Und die Margen sind gering. In einem hypothetischen Beispiel rechnen die Analysten von Barclays durch, dass ein Gewinneinbruch programmiert ist. Weder eine Preiserhöhung noch eine Umsatzsteigerung oder Kostensenkungen seien realistischerweise möglich, um das jetzige Gewinnniveau zu halten.

Am besten geschützt sind Unternehmen, die Kunden und Lieferanten die Preise diktieren können. So wird eine Importsteuer auf Benzin wohl der Kunde tragen, nicht die Raffinerien.

Muss man jetzt Exporttitel kaufen?

Jetzt blind auf Exporteure zu setzen, wäre aber verfehlt. Der Vorteil durch die Nichtbesteuerung von Ausfuhren ist wohl nicht besonders gross.

Denn die im Ausland anfallenden Gewinne der US-Gesellschaften werden auch jetzt schon von den ausländischen Staaten besteuert. Und diese Steuern können die Unternehmen bereits jetzt von der Steuerlast in den USA abziehen.

Welche Einzeltitel sind besonders gefährdet?

Barclays hat einige Einzeltitel herausgestellt, die unter einer Grenzausgleichssteuer leiden würden.

Delphi: Der Autozulieferer stellt 95% seiner Produkte in Mexiko her.
Lear: Auch ein Autozulieferer mit grossem Mexiko-Exposure.
Mattel: Der Spielzeughersteller fertigt 90% der Produkte in China.
Hasbro: Wie bei Mattel kommen die meisten Produkte aus Asien.
Constellation: Der Getränkehersteller importiert Rohstoffe aus dem Ausland.
ExxonMobil: Das Ölunternehmen führt Rohöl in die USA ein.
Allergan: Der Pharmahersteller produziert den Wirkstoff für Botox in Irland.
McCormick: Der Gewürzhersteller hat keine Alternative dazu, seine Produkte von der Südhalbkugel einzuführen.

Und welche Einzeltitel gewinnen?

Beispiele für Gewinner sind im Industrie- und im Rohstoffsektor zu finden.

Die Rüstungsunternehmen Raytheon, United Technologies und Lockheed Martin produzieren grossteils in den USA und sind Nettoexporteure.

Der Chemiekonzern Dow Chemical und die Stahlfirma AK Steel produzieren in den USA und führen anschliessend ins Ausland aus.

Auch das Halbleiterunternehmen TE Connectivity produziert in den USA.