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Damenuhren spielen bei Auktionen meist eine Statistenrolle. Sie müssen in einem Museum ausstellbar sein, damit sie stilprägend sind und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Wer in Dominique Fléchons Buch «The Mastery of Time» blättert, stellt fest, dass Damenuhren aus dem 20. Jahrhundert nur sehr spärlich vertreten sind. Das war nicht immer so.

Die allererste Armbanduhr soll einer Frau gehört haben. Überlieferungen zufolge hat Königin Elisabeth I. von England sie im 16. Jahrhundert vom Earl von Leicester erhalten.

Die im 18. und 19. Jahrhundert für den weiblichen Adel in Auftrag gegebenen geheimnisvollen Uhren, Ring- und Taschenuhren veredelten die Kleidung der Damen und schmücken heute die Vitrinen der Museen. Ab dem 20. Jahrhundert hatte die Damenuhr nicht mehr die gleiche Bedeutung.

Im Verkaufskatalog der von Phillips organisierten New Yorker «Winning Icons»-Auktion vom Oktober 2017 ist unter den 50 versteigerten «legendären Zeitmessern des 20. Jahrhunderts» nur gerade eine Damenuhr zu finden. Aurel Bacs, Auktionator und Consultant bei Phillips, bedauert, dass die Hälfte der Weltbevölkerung und der Uhrenproduktion in den Verkaufsräumen so krass untervertreten ist.

«Bis vor Kurzem waren Damenuhren im Vergleich zu Herrenuhren derselben Epoche eher klein und technisch uninteressant, da sie nur sehr selten Komplikationen enthielten. Uhren werden zu 98% von Männern gesammelt, die sich verständlicherweise nicht für Damenuhren interessieren. Und die wenigen Sammlerinnen konzentrieren sich meistens auf Herrenmodelle», versucht er eine Erklärung.

Der Anlagewert ist zweitrangig

Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben einige Uhrenmarken mit über hundertjähriger Geschichte beschlossen, die Damenuhren des 20. Jahrhunderts ins  Rampenlicht zu stellen.

Omega zum Beispiel widmete ihren Damenuhren diesen Herbst in Paris eine eigene Ausstellung. «Her Time» zeigte im Hotel Sully eine Reihe von Damenuhren in einer historischen Perspektive, von den ersten Lépine-Anhängern über geheimnisvolle Schmuckuhren bis zur revolutionären Ladymatic, und setzte sie mit der Geschichte von Zeit und Mode in Bezug.

«Auktionen sind eine geschlossene, sehr exklusive und wenig experimentierfreudige Männerwelt, in der nur der am Seltenheitswert festgemachte Anlagewert zählt und die Schönheit und der Tragkomfort meist unwichtig sind», sagt Raynal Aeschlimann, Präsident und CEO von Omega.

«Ich glaube, dass der Erlebnisluxus die Situation ähnlich verändern wird, wie er die Hotelbranche revolutioniert hat. Ein Hotel kann sich heute nicht einfach nur auf seine fünf Sterne berufen, damit sich die Gäste wohlfühlen, sondern muss schon einiges mehr bieten. Nicht die Auktionen legen den Wert einer Marke fest, sondern vielmehr die Liebe und die Emotion, die man beim Tragen einer Vintage-Uhr spürt. Frauen konsumieren, das heisst, sie tragen ihre modernen oder Vintage-Uhren. Sie wählen die Zeitmesser nicht nach dem Anlagewert aus, denn sie wollen vor allem eins: sie tragen. Im Gegensatz dazu ersteigern viele Männer eine Uhr nur wegen ihres Sammlerwerts. Hier liegt der grosse Unterschied.»

Omega blickt auf 100 Jahre

Damenuhren zurück Die in Biel ansässige Marke zeichnet die langjährige Geschichte der Uhrmacherei für die Frau unter dem Gesichtspunkt der Mode, der Sitten und der Einflüsse der einzelnen Epochen nach.

Raynald Aeschlimann, der bei der Eröffnung an der Seite der Markenbotschafterin Cindy Crawford anwesend war, erklärte: «Mit der Ausstellung ‹Her Time› wollten wir die historische Entwicklung der Frau im Licht unserer Zeitmesser zeigen. Anfang des letzten Jahrhunderts war Zeit für eine Frau tabu.

Auf die Uhr zu schauen, wäre ein Affront gewesen, denn damit hätte sie Langeweile signalisiert. Geheimnisvolle Uhren waren damals logischerweise sehr gefragt. Im Zuge der Art-déco-Epoche durfte die Frau Farbe bekennen und offen eine Uhr tragen. Omega griff diesen Trend auf.

Die Uhren wurden mit Diamanten besetzt, zeugten von einer starken Persönlichkeit, hatten eine klare, geometrische Formensprache. Als sich die Frau in den Sechzigerjahren emanzipierte, gab Gold den Ton an. Die Uhren sollten gut sichtbar leuchten.

Omega arbeitete damals mit grossen Schmuckherstellern wie Gilbert Albert zusammen. 1960 war Präzision nicht das einzige Kriterium für den Wert einer Uhr, ebenso wichtig war schönes Design. Wir hatten begriffen, dass die Frau selbst bestimmte und ihre Uhren nach ihrem eigenen Geschmack auswählte.»

Omega hat am 2. November 2017 in Biel eine neue Fabrik für die Montage der Uhren, die Aus- und Weiterbildung und die Qualitätssicherung eingeweiht.

Im Sinne dieser Innovationspolitik wurde auch das Uhrwerk für Damen stets in die strategischen Überlegungen einbezogen, versichert Raynald Aeschlimann. «Wir verkaufen keine Träume, indem wir auf kleine Diamanten setzen. Dahinter steckt mehr: Innovation, Geschichte und Schönheit. Omega hat schon immer 30 bis 40% des Umsatzes mit Damenuhren erwirtschaftet. In den Zwanzigerjahren waren 35% der markeneigenen Uhrwerke sehr klein und für Damenuhren bestimmt.»

Auch die Konsumgewohnheiten und die Kriterien, die den Ausschlag für den Kauf einer Uhr geben, sind bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich. Raynald Aeschlimann: «Frauen unterhalten sich in unseren Boutiquen über Ästhetik und sprechen auf Storytelling an. Bei den Männern ist das anders. Sie interessieren sich in erster Linie für die Technik. Frauen möchten wissen, wie und zu welchen Anlässen sie die Uhr tragen sollen. Sie eignen sich viel mehr Erfahrung und Wissen an, bevor sie eine Uhr kaufen. Männer hingegen entscheiden nach dem Prinzip «gefällt mir, gefällt mir nicht». Um eine Damenuhr zu entwerfen, muss man wissen, was eine Frau will. Sie hat hohe Erwartungen, legt Wert darauf, sich zu differenzieren und aus einem breiten Spektrum an Stilen auswählen zu können.»