Blogs / Momentum

Wenig geschätzte Rolle Österreichs für die Weltaktienmärkte

Österreich ist für die meisten eine Feriendestination, ein Land mit netten Menschen und hervorragendem Wein. Unterschätzt wird dabei die Bedeutung des Landes für Finanzanleger.

Clifford Padevit

Österreich hat alle Finanzanleger ein wenig ärmer gemacht. Das ist eine Erkenntnis aus dem diesjährigen Credit-Suisse-Global-Investment-Returns-Jahrbuch, das diese Woche in London den Medien vorgestellt wurde. Der Grund dafür ist der: Die drei Professoren, die die Datenbank mit langfristigen Renditereihen für Aktien und Staatsanleihen erstellt haben, haben ihre Datensammlung ergänzt.

Inzwischen haben sie für 22 Länder Daten zusammengetragen, die zurück bis 1900 reichen. Die letzte Neuerung betrifft neben Russland und China eben Österreich. Zu Beginn der Datenreihe war die kaiserliche und königliche Monarchie Österreich-Ungarn auch in wirtschaftlicher Hinsicht noch eine Grossmacht. Gemessen an der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung brachte Österreich damals 5% auf die Waage (vgl. Grafik unten). Das ist entscheidend, wenn man die weltweiten Aktienrenditen seit 1900 berechnen will. Und das haben die Forscher Paul Marsh, Elroy Dimson und Mike Staunton von der London Business School getan.

Quelle: Credit Suisse (CSGN 12.4 1.93%)

Bislang mussten sich die Professoren für die Zeit vor 1968 auf Zahlen des Bruttoinlandprodukts abstützten, um die Gewichtung der nationalen Aktienmärkte festzulegen. Es war eine Annäherung. Dank neuen Daten ist es nun aber möglich, für die gesamte Zeit seit 1900 die Marktkapitalisierung als Grundlage zu nehmen. Und siehe da: Wären da nicht Österreich, Russland und China (die Zeitreihen der letzte beiden Länder sind wegen wegen kommunistischer Diktaturen lange unterbrochen und daher weniger bedeutend), wäre die weltweite Aktienrendite höher ausgefallen. Über die letzten 113 Jahre geht es annualisiert um 0,14% reale Rendite. Die weltweite reale Aktienrendite in der Zeit von 1900 bis 2012 war daher «nur» noch 5%. Das spiegelt die Aktienrendite in Österreich, die in dieser Zeit inflationsbereinigt annualisiert gerade mal 0,6% betrug.

Wer also demnächst mit seinem Banker langfristige Anlageziele und die Auswahl der Anlageklassen festlegt, sollte daher auch an Österreich denken. Und zwar nicht bei der Auswahl des Weins.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.