Zum Thema: Bankensoftware: Wettstreit auf engem Terrain

Wenige Anbieter geben den Ton an

Valentin Ade und Eflamm Mordrelle

In zwei Jahren fit für die Börse

Für Avaloq war 2015 nach eigenen Angaben ein Rekordjahr. Neu konnten die China Citic Bank International, die malaysische Maybank, die australische Crestone und BIL Suisse als Kunden gewonnen werden. Mit Zahlen hält sich das Unternehmen zurück, doch bewegt sich der Umsatz laut CEO Francisco Fernandez um 500 Mio. Fr. Das Unternehmen ist auf dem Schweizer Markt für Kernbankensoftware die Nummer eins.

Dabei setzt es für die Zukunft vor allem auf BPO (Business Process Outsourcing) über Zentren, in die Banken ihre IT-Prozesse auslagern können. Diese Zentren befinden sich in der Schweiz, in Deutschland, Grossbritannien und Singapur. CEO Fernandez gründete Avaloq 1985 unter dem Namen BZ Informatik als Tochterunternehmen von Martin Ebners BZ-Gruppe. 2002 kam es zum Management Buyout. In zwei Jahren soll die Softwareschmiede bereit für den Börsengang sein.

 

Von den Kleinen bevorzugt

Finnova ist umsatzmässig ein kleiner, aber bedeutender Marktakteur. Der Umsatz beträgt laut CEO Charlie Matter jährlich zwischen 80 und 90 Mio. Fr. Finnova fokussiert anders als die Wettbewerber vor allem auf den Schweizer Markt. 80% der Kunden sind kleine Retailbanken. Finnova setzt vor allem auf die Herstellung von Software, einen Auslagerungsservice (BPO) betreibt es nicht. Das vor 40 Jahren gegründete Unternehmen mit Sitz in Lenzburg zählt mittlerweile 400 Mitarbeiter.

Doch arbeitet Finnova auch mit Schweizer Fintech-Startups zusammen, wie beispielsweise Contovista, deren Kontoführungssoftware Finnova in ihr Angebot integriert hat. Mehrheitsaktionärin der Lenzburger ist die deutsche msg systems (51,4%). Weiter halten sieben Kundenbanken einen Anteil von 22,8%, das Management hält 16,8%. Ein Börsengang sei nicht geplant, so Matter. Man könne sich komplett eigenfinanzieren.

 

International eine grosse Nummer

In der Schweiz ist die kotierte Temenos (TEMN 117.90 +0.43%) nach wie vor ein kleiner Player und liegt bezüglich Marktanteile weit hinter Avaloq und Finnova zurück. Doch die Wahrnehmung des Genfer Softwarehauses hat sich nach dem Gewinn des Julius-Bär-Auftrags Anfang 2015 auch hier verbessert. Besonders für Auslandbanken ist Temenos attraktiv. Neben Julius Bär (BAER 66.68 +1.12%), die derzeit das Kernbankensystem T24 in Asien implementiert, zählen auch EFG (EFGN 6.73 +1.97%), Schroders, Swissquote (SQN 187.00 +0.54%) und Santander zu den Schweizer Kunden.

Die Grossbank Credit Suisse (CSGN 9.80 +0.35%) verwendet Temenos für gewisse Front-Office-Applikationen. Im Gegensatz zu Avaloq betreibt Temenos kein BPO-Geschäft. 2015 setzte das Unternehmen rund 520 Mio. Fr. um, bei einer Ebitda-Marge von über 30%. Die Aktien haben seit einem Jahr stark zugelegt; mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Ver­hältnis von 26 sind sie recht teuer. Martin Ebner ist ein Grossaktionär.

 

Ein Flickenteppich von Anbietern

Neben den etablierten Avaloq und Finnova spielen Eigenentwicklungen, die von bankinternen IT-Teams bewirtschaftet werden, noch immer eine bedeutende Rolle. Fast ein Viertel der Banken mit über 500 Mitarbeitenden setzt auf solche Lösungen. Ein weiteres System, das in der Schweiz Verwendung findet, ist TCS Bancs der indischen Tata Consulting Services. Der IT-Riese schrieb im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von über 16 Mrd. $ und einen Gewinn von 3,7 Mrd. $. Ein namhafter Kunde ist PostFinance.

Die Berner wollen mit Tata ein seit 1993 bestehendes, selbst entwickeltes System zugunsten von TCS Bancs ablösen. Die Migration soll bis 2017 vollzogen werden. Auch das Olympic Banking System des in Genf domizilierten Softwareunternehmens ERI spielt im Schweizer Markt eine kleine Rolle. Olympic hat sich besonders bei Privatbanken einen Namen gemacht. ERI zählt wie Temenos eine grosse Anzahl internationaler Kunden.