Unternehmen / Ausland

Weniger, aber bessere Analysen

Wie sich die Mifid-2-Regulierung auf die Aktienabdeckung auswirkt.

Die Zahl der von Aktienanalysten abgedeckten Unternehmen ist seit der Einführung der Finanzmarktrichtlinie Mifid 2 Anfang vergangenen Jahres in Europa «signifikant» gesunken. Zu diesem Schluss kommt eine breit angelegte Studie der renommierten Londoner CASS Business School, die die Auswirkungen der neuen Regulierung untersucht hat. Europaweit würden 334 Unternehmen nicht mehr von Analysten abgedeckt, schreiben die drei Studienautoren. Allerdings wurden 305 der betroffenen Gesellschaften zuvor nur von einem Analysten verfolgt.

Mifid 2 wurde im Januar 2018 von der Europäischen Union (EU) eingeführt, mit dem Ziel, dass Vermögensverwalter und Banken die Kosten für Beratung und Research entbündeln müssen. Damit wollte die EU den Wettbewerb sowie den Schutz der Anleger fördern.

Fokus auf gute Analysten

Diese jüngsten Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, dass eine höhere Kostentransparenz zulasten der Abdeckung kleinerer Unternehmen geht. Bereits vor einem Jahr hatte der Datendienstleister Bloomberg berichtet, dass innerhalb von zehn Monaten die Zahl der Analysen zu den im Stoxx Europe Small 200 gelisteten Unternehmen um 7% zurückgegangen sei. Das war zugleich der grösste Rückgang in den vergangenen zehn Jahren.

Hingegen hat sich die Qualität der Aktienanalysen tendenziell verbessert. «Die Konzentration der Abdeckung hat dazu geführt, dass vor allem Analysten im Markt verblieben sind, die viel Erfahrung haben, über eine längere Zeit dieselben Unternehmen abdecken, pragmatischere Einschätzungen machen und einen besseren Leistungsausweis vorzeigen können», schreiben die Autoren der CASS-Studie.

Weniger Jobs im Research

Gleichzeitig spielt der Wettbewerb unter den Analysehäusern weniger als ursprünglich gedacht. Beobachtungen zeigen, dass Vermögensverwalter und Pensionskassen verstärkt auf eigene Aktienanalysen setzen und sich bei der Zahlenpräsentation von Unternehmen häufiger in die Calls mit dem Management einwählen. Die Studienautoren vermuten, dass wegen Mifid 2 vermehrt Analysten von der sogenannten Sell Side (u. a. Investmentbanken) zur Buy Side (Asset-Manager) gewechselt haben.

Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch andere Studien zur neuen Finanzmarktrichtlinie gekommen. Das CFA Institute konstatiert, dass Investmentbanken die Zahl von Analystenjobs wegen der Regulierung reduziert haben. Zudem hätten unabhängige Researchanbieter von Mifid 2 bislang nicht profitieren können. Gerade ihnen hätte die Kostentransparenz eigentlich zugutekommen sollen. Gemäss CFA Institute haben aber 57% der befragten Vermögensverwalter angegeben, weniger Research als vor der Einführung von Mifid 2 zu beziehen.