Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Wenn die Elisabeth…

Manfred Rösch

…nicht so wenig Schilling hätt’ – dann gäbe es diese Kleinkunstbühne noch. Die Gestaltung ihrer Anleihe war top, die Emission ein Flop. Zu dieser Zeit, 1995, war der Betrieb, seit 1967 ein Kellertheater in der Salzburger Elisabeth-Vorstadt, zwar republikweit künstlerisch etabliert, auch von der öffentlichen Hand alimentiert und von einem Gönnerverein gestützt, doch notorisch klamm. Die EB, die regelmässig junge Schauspieltalente ins Ensemble holte, übernahm sich mit zeitweilig bis zu zehn Eigenproduktionen pro Saison. Das schöne Papier über 3% (der Nominalwert von 1000 Schilling entsprach etwa 80 Fr.) liesse sich heute wohl leichter platzieren als damals, als Geld noch ­etwas galt. Der zarte Engel aus der Hand des heimischen Künstlers Hans Weyringer vermochte den erhofften Segen nicht zu spenden. 1997 folgte der Konkurs. Daraufhin wurde über Jahre saniert, in der Saison 2004/05 schliesslich umfirmiert (die Spielstätte in der Elisabeth-Vorstadt war längst passé), in Schauspielhaus Salzburg – das sich selbstredend am einzigen, wahren Schauspielhaus, an der Zürcher Pfauenbühne, nicht messen kann. Immerhin, das kleine Schwesterhaus in Salzburg hält das EB-Erbe hoch.

In den Siebzigerjahren noch hatte der Bundesminister für Unterricht und Kunst höchstpersönlich, der nachmalige SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz, die ­Elisabethbühne prämiert: für die Interpretation der köstlichen Komödie ­«Romulus der Grosse» des nicht minder grossen Friedrich Dürrenmatt. ­Romulus’ Worte klingen hinterher wie eine Prophezeiung für die Institution Elisabethbühne. Als nämlich, zu Beginn des Stücks, ein Diener dem Kaiser die Nachricht überbringt, Roms Finanzminister sei geflohen, mitsamt der Staatskasse, sagt Romulus: «Warum? Es war ja nichts drin.»